Wo der Gag ins Rollen kommt

16. Juli 2004, 19:03
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Kálmáns "Gräfin Mariza" in Mörbisch

Mörbisch - Wenn man Mörbisch als das "Mekka der Operette" bezeichnet, dann ist Harald Serafin der Muezzin, der auf seine ganz besondere Art zur musiktheatralischen Versammlung ruft: "Meine Damen und Herren, bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein. Die Vorstellung beginnt in Kürze", spricht er in minütlichen Wiederholungen vom Band mit einer Stimme so wohltuend wie ein Karamellbonbon.

In diesem Sommer plaudert der Mann, unter dessen Ägide als Intendant in den letzten zehn Jahren rund 14 Millionen Euro in die Erweiterung und Modernisierung des Festspielgeländes investiert und die Besucherzahlen von 67.000 auf 220.000 im Rekordjahr 2002 gesteigert wurden, nicht nur in seiner Funktion als Pausengong, sondern auch auf der Bühne, als Fürst Populescu in Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza.

Obwohl sich die Sache eigentlich umgekehrt verhält: Längst spielt Serafin keine Rollen mehr, sondern verwandelt diese in lauter polternde Serafins. Vor dem Premierenbeginn erklärte Serafin als Serafin dem Publikum den Kern der diesjährigen Bühnenhandlung: "Es geht darum, dass sie sich lieben und am Ende auch bekommen." Das stimmt ganz genau, und außer, dass es bis dahin gute drei Stunden dauert, ist gegen diese schöne Tatsache nichts einzuwenden. Vielleicht, dass die Mariza nicht nur musikalisch, sondern auch in Sachen Klischeekonzentration ein starkes Stück ist und dass Librettist Alfred Grünwald, der "Leidenschaft" mit "Gulaschsaft" bereimte, womöglich heutzutage sein Schreibtalent auch beim "Musikantenstadl" ausleben würde.

Sei's drum. In diversen, die Schablonenhaftigkeit des Librettos perfekt ausdeutenden Bühnenbauten (Rolf Langenfass) bewies sich Winfried Bauernfeind als Großmeister des pittoresken Gruppenarrangements, rollten Sofas, Züge, Gags und Zoten.

Dem stimmgewaltigen und spielfreudigen Ensemble (Julia Bauer als Lisa, Marko Kathol als Baron Koloman Zsupán, Mirjana Irosch als Erbfürstin, Edd Stavjanik als Penizek) standen Nikolai Schukoff als strahlender Tassilo und Dagmar Schellenberger als vokal durchsetzungsfähige Titelheldin vor. Rudolf Bibl leitete Sang und Klang routiniert; die finale dreifache Paarungsfreude sollte im abschließenden Feuerwerk kongenial verpuffen. (Stefan Ender, DER STANDARD, Printausgabe vom 17./18.7.2004)

Bis 29. 8.
Infos:
(02682)66210.
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Harald Serafin (als Populescu), Dagmar Schellenberg (als Gräfin Mariza) und Nikolai Schukoff (als Graf Tassilo)

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