Österreich festigt Position als führender Ostinvestor

28. Juli 2004, 12:48
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Die EU-Neulinge zogen 2003 aufgrund der Konjunkturflaute wesentlich weniger Investitionen an. Österreich konnte seinen "Marktanteil" im Osten aber ausbauen

Wien – Raiffeisen in Albanien, OMV in Rumänien, EVN in Bulgarien: Österreichs Unternehmen gehören auch heuer wieder zu den aktivsten Investoren in Süd-, Mittel- und Osteuropa. Trotz geringerer Neuinvestitionen im Vorjahr konnte Österreich seine Position als führender Investor in der Region ausbauen. Der Marktanteil an den gesamten Neuinvestitionen stieg von 12,8 Prozent (2002) auf 15 Prozent, in den acht neuen EU-Ländern sogar von elf auf 23,2 Prozent. Dies geht aus einer neuen Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo) und des Wiener Institutes für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hervor. 1998 hatte der Anteil an den Neuinvestitionen im Osten erst 3,7 Prozent betragen.

Privatisierungen vorbei

Die weltweite Konjunkturflaute sowie der Abschluss der größten Privatisierungsprojekte gingen an Investoren und EU-Neulingen nicht spurlos vorbei. So sanken die ausländischen Direktinvestitionen im Vorjahr insgesamt um ein Drittel von 37,4 Milliarden Euro auf rund 24 Milliarden Euro. Auch Österreich war an dieser Entwicklung nicht unbeteiligt: Der Kapitalstrom erreichte nach 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2002 im Vorjahr nur 2,8 Milliarden Euro.

Rund eine Milliarde oder mehr als ein Drittel floss davon nach Ungarn, das seit der Ostöffnung wichtigste Zielland für die österreichischen Investitionen in der Region. Auch die Direktinvestitionen in Polen lagen mit 900 Millionen Euro deutlich über den Ergebnissen früherer Jahre. Die Neuinvestitionen Österreichs in Kroatien (400 Mio. Euro), der Slowakei und Slowenien gingen im Vergleich mit 2002 etwas zurück. In den baltischen Staaten sind österreichische Investoren noch sehr selten anzutreffen.

In diesem Jahr wird von den Ökonomen eine Belebung der Investitionen erwartet, ausgelöst durch die generelle Besserung der weltweiten Konjunktursituation sowie zusätzliche Impulse (z.B. Rechtssicherheit) aus dem EU-Beitritt.

Das WIIW schätzt, dass mit rund 31 Milliarden Euro an gesamten ausländischen Direktinvestitionen nach Mittel- und Osteuropa wieder das Niveau des Jahres 2000 erreicht werden dürfte. Der Spitzenwert aus dem Jahr 2002 bleibt in weiter Ferne, insbesondere die Privatisierungsprojekte lockten damals ausländische Investoren massiv an.

Kleine Richtung Osten

Künftig werden dies unter Umständen EU-kofinanzierte Umwelt- und Infrastrukturprojekte sein und mehr und mehr Investitionen auch von österreichischen Klein- und Mittelbetrieben erwartet, sagte Mit-Studienautor Jan Stankovsky zum STANDARD.

Solche Investments würden typischerweise nur geringe Mengen an Kapital benötigen. Die Effekte aus den massiven Steuersenkungen im Osten versus der Arbeitszeitflexibilisierungsdebatte in Deutschland und Österreich auf weitere Betriebsabwanderungen seien derzeit noch nicht abschätzbar, so Stankovsky. Die neuerliche Belebung der Investitionen im Osten sei dabei schon traditionell stark von großen Einzelprojekten etwa von investierenden Banken oder Energiekonzernen abhängig, die die Statistik eines Jahres deutlich verzerren können.

In Relation zur Größe der Konkurrenzländer führt Österreich die Investorenliste im Osten an. Gemessen an absoluten Summen, die bisher investiert wurden, liegt Deutschland im Investorenranking vor den Niederlanden und Österreich. In Slowenien jedoch liegt Österreich auf Platz eins, in der Tschechischen Republik sowie der Slowakei jeweils auf Platz drei. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.7.2004)

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