"Er denkt und schreibt in Alternativen"

22. März 2005, 13:42
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Kurt-Vorhofer-Preis an STANDARD- und "Format"-Kolumnist Hans Rauscher

Hans Rauscher sei, so Heinz Fischer, einer der herausragendsten Repräsentanten des österreichischen Journalismus und der Publizistik: Aus der Hand des Bundespräsidenten erhielt der STANDARD- und "Format"-Kolumnist am Freitagabend in der Geheimen Ratsstube der Hofburg den neunten Kurt-Vorhofer-Preis. Die Auszeichnung wird seit 1996 von der Journalistengewerkschaft in Kooperation mit dem Verbund und der "Kleinen Zeitung", deren stellvertretender Chefredakteur Vorhofer als "Doyen" des innenpolitischen Journalismus war, vergeben.

Populismus sei Rauscher fremd, meinte Fischer in seiner Laudatio: Er denke und schreibe in Alternativen. Und er versuche, sich der Einsicht von Karl Popper anzunähern, die sinngemäß laute: Ich kann Recht haben, du kannst Recht haben, aber wir beide sind verpflichtet, uns auf die Spur der Wahrheit zu begeben.

In seiner Dankesrede erinnerte "rau" daran, dass es die Intention des Preises sei, den Qualitätsjournalismus in Österreich zu unterstützen. Er nutzte daher die Gelegenheit, um Kritik zu üben (am gegenwärtigen Fehlen eines Presserates als "Wachhund") und Vorschläge zu unterbreiten: Er forderte von der Kollegenschaft eine selbstkritische Debatte, "um zu unserer eigenen Selbstkontrolle beizutragen".

Und zwar eine Debatte beispielsweise über die "Endlosschleife unaufgelöster Themen" (u. a. das Leugnen kirchlicher Würdenträger von sexuellem Missbrauch) und die EU: "Wir könnten eine wirklich fundierte, faktengestützte Debatte über den Beitritt der Türkei führen."

Aber auch konkrete Taten erhofft sich Rauscher, indem z. B. Berichterstatter vor Ort geschickt werden – auch hierzulande. Denn die 340.000 Muslime bilden die zweit größte Religionsgemeinschaft. Aber wir wüssten, meint Rauscher, "so gut wie nichts über sie": "Wir brauchen Reportagen, sprachkundige Reporter in den Moscheen, wir brauchen verständnisvolle, faire, aber gleichzeitig investigative Berichte über das Leben dieser Mitbürger." (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.7.2004)

  • Bundespräsident Heinz Fischer und Hans Rauscher bei der Preisverleihung.
    foto: standard/cremer

    Bundespräsident Heinz Fischer und Hans Rauscher bei der Preisverleihung.

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