Wetter-Tief füllt psychologische Arztpraxen

18. Juli 2004, 19:22
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Sonnenentzug erhöhen Gewaltpegel und Gefahr von Medikamenten- und Alkoholmissbrauch

Linz - Das anhaltende "Wetter-Tief" drückt offensichtlich extrem auf die Stimmung und verursacht ein "Arbeits-Hoch" bei psychologischen Diensten. Nicht nur psychotherapeutische Praxen spüren derzeit einen Andrang, sondern auch Interventionsstellen gegen Gewalt.

Dort wirken sich der ständige Regen und die Kälte auf die Klienten-Zahlen aus. Auch in der Linzer Nervenklinik Wagner-Jauregg ist von einem "Sommerloch" keine Rede. Zudem steige bei derartigen Witterungslagen die Gefahr des Medikamenten- und Alkoholmissbrauchs, warnten Experten .

Die Leute können nicht raus

Schuld daran sei das Wetter, so Schwarz-Schlöglmann. "Die Leute können nicht raus, picken aufeinander und das kann eher Auslöser für Gewalt sein, als wenn man mehr Aktivitäten außer Haus unternimmt".

Temperaturschwankungen gehen auf dei Nerven

"Die starken Temperaturschwankungen gehen auf das vegetative Nervensystem", erklärte der ärztliche Leiter des Linzer Wagner-Jauregg Krankenhauses, Werner Schöny. Das Sonnenlicht, von dem momentan "ein bisschen wenig" vorhanden sei, würden stimmungsaufhellend wirken. Bei derzeitigen Wetterlagen sei die Empfindlichkeit stärker und die Beschwerden würden zunehmen. Sonst sei es in den Sommermonaten im Wagner-Jauregg-Krankenhaus eher ruhiger, doch "jetzt sind wir voll belegt", so Schöny. Er macht zudem auf ein weiteres Problem im Zusammenhang mit dem anhaltenden Schlechtwetter aufmerksam: "Die Gefahr, dass Menschen zur Flasche oder zu Medikamenten greifen, steigt".

Fehlende stimmungshebende Sommerfeste

Nicht zur Ruhe kommen seit einiger Zeit auch die psychotherapeutischen Praxen. Vor allem depressive Patienten, aber auch jene, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden - etwa Scheidung oder Arbeitsplatzverlust - würden eine massive Verschlechterung ihres Zustandes bemerken, berichtete beispielsweise die oberösterreichische Psychotherapeutin Monika Czamler. Die Gründe seien unter anderem im fehlenden Sonnenlicht und der grauen düsteren Stimmung zu suchen. Zudem gebe es wenig bis gar keine Möglichkeiten, sich im Freien aufzuhalten. "Das heißt, heuer mangelt es an Gelegenheiten, die im Sommer Lebenslust erzeugen wie Grill- und Gartenfeste, aber auch das gemütliche Zusammensitzen am Abend im Freien", sagte Czamler. (APA)

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