BA-CA-Betriebsrat und GPA empört: "Destruktive Agitation auf tiefstem Niveau"

16. Juli 2004, 15:24
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Gewerkschaft wehrt sich gegen "Pauschalangriffe" und schießt gegen Vorstand scharf: "Teuerste Führungsetage im nationalen Vergleich"

Wien - Empörung äußerten am Freitag Bankengewerkschafter und Betriebsrat der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) darüber, dass die größte Bank des Landes ob ihres Zulagensystems als "Privilegiensumpf" beschrieben wird. In der BA-CA ist in den letzten Wochen das Match um ein neues Dienstrecht härter geworden. Am Freitag flogen verbal die Fetzen.

Bei der nun so heftig vom Vorstand kritisierten Betriebsvereinbarung der BA-CA handle es sich um einen zwischen Bankvorstand und Betriebsrat ausverhandelten Vertrag, betont die Gewerkschaft. Die Art und Weise, wie sich der Vorstand nun aus diesen gemeinsamen Übereinkünften nach dem Motto "Haltet den Dieb" herausstehlen wolle, "ist bislang ohne Beispiel", so der GPA-Geschäftsbereichsleiter Karl Proyer. "Viele der als Privileg bezeichneten Entgeltbestandteile sind österreichweit Gegenstand hunderter Kollektivverträge und Betriebsvereinbarungen", so Proyer. Wer etwa Nachtarbeitszulagen oder Essensgeldzuschüsse "als Privileg' denunziert, betreibt Realitätsverweigerung oder hegt unlautere Motive", kritisiert GPA-Mann Proyer.

Proyers Stellvertreterin in der Gewerkschaft, Claudia Kral-Bast legte nach: Die Bank erwirtschafte ein Rekordergebnis um das andere "und trotzdem hat Vorstandsvorsitzender Erich Hampel nichts Besseres zu bieten als Mitarbeiter, die diese Erfolge erarbeiten, schlecht zu machen - und als Privilegienritter zu beschimpfen" so Kral-Bast, die dem Vorstand vorwirft, seine eigene Belegschaft zu "denunzieren". Sie spricht von "destruktiver Agitation auf tiefstem Niveau."

"Polemik"

Ein Sprecher der BA-CA wies namens des Vorstands am Donnerstag derartige "Polemik" und "Unterstellungen" scharf zurück. Der Vorstand sei massiv daran interessiert, dass es in den Gesprächen ums neue Dienstrecht bald zu konstruktiven Lösungen komme, heißt es im Management.

Die Gewerkschaft schießt indes gerade gegen den Vorstand scharf: Bei der nun vom Zaun gebrochenen Debatte über das Gehaltsschema der BA-CA werde sehr oft vergessen, "dass die wirklich üppigen Gagen vom Vorstand abgecasht werden: Tatsache ist, dass der achtköpfige BA-CA Vorstand nicht nur die größte, sondern - mit in Summe 7,8 Mio. Euro Jahresgagen - auch die mit Abstand teuerste Führungsetage im nationalen Vergleich darstellt", so die Gewerkschafterin Kral-Bast.

"Nicht korrekt", kontert der BA-CA-Sprecher. Die Vorstandsbezüge bewegten sich in ähnlichen Größenordnungen wie bei anderen Großbanken, und zudem bestünden sie bei der BA-CA zu mehr als 50 Prozent aus leistungsabhängigen Kompenenten.

"Privilegienkampagne"

Für die GPA-Expertin Kral-Bast steht aber fest, dass "ein Vorstand, der die eigene Belegschaft in einer 'gerüchteweise lancierten Privilegienkampagne von mehr als zweifelhaftem Wahrheitsgehalt' vorführt und denunziert, ... das letzte Quäntchen dieser Kompetenz verloren und beträchtlich an Handlungsspielraum eingebüßt" habe. Wer sein eigenes Haus bar jeder Grundlage als "Privilegiensumpf" darstelle, tue sich offenbar schwer, mit Sachargumenten zu punkten.

Auch der BA-CA-Betriebsrat unter Leitung von Hedwig Fuhrman und Adolf Lehner verwahrte sich scharf gegen "Pauschalangriffe" gegen die BA-CA-Belegschaft. Sie warfen dem Management vor, mittels "völlig verzerrter" bzw. falscher Darstellung und "Halbwahrheiten" die Belegschaft diskreditieren zu wollen. Offenbar werde versucht, einen Keil in die Belegschaft zu treiben.

Fuhrmann: "Wenn jetzt Durchschnittsgehälter, in deren Berechnung auch die Bezüge von Sonder- und Einzelvertragsinhabern Eingang finden, veröffentlicht werden, dann trifft dieses Durchschnittsgehalt für einen Großteil der Belegschaft nicht zu. Ein Großteil der Mannschaft kann von einem solchen Gehalt nur träumen", so Fuhrmann. Und "wenn dann verschiedenste Zulagen unseres Entgeltschemas medial breitgetreten werden, und gleichzeitig vergessen wird hinzuzufügen, dass viele dieser Zulagen nicht pauschal ausgeschüttet werden, dann ist diese Betrachtungsweise ziemlich einseitig." Beispiele dafür seien etwa die EDV-Zulage, die nur an einzelne EDV-Spezialisten und nicht an alle PC-User ausbezahlt werde. Ähnlich verhalte es sich mit der Filialleiterzulage, die nur im Vertretungsfall bezahlt werde. Der Fahrtkostenersatz werde nur noch sehr eingeschränkt vergütet. "Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen", ist Fuhrmann überzeugt.

Auch der Betriebsrat versicherte heute, zu "konstruktiven Gesprächen bereit" zu sei, sofern ein nachvollziehbarer Handlungsbedarf in einzelnen Teilbereichen entstehe. Öffentliche Angriffe auf die Belegschaft würden aber nicht helfen, eine vertrauensvolle Ausgangsbasis dafür zu schaffen. (APA)

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