Taifun peitscht durch Hongkong

18. Juli 2004, 14:50
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Schulen und Börsen wurden in der in Wirtschaftsmetropole geschlossen - 20 Millionen Menschen in Asien nach Monsunregen obdachlos

Hongkong/Bogra - Nach verheerenden Überschwemmungen im Süden Asiens sind am Freitag die Wirtschaftsmetropole Hongkong und das chinesische Hinterland von einem schweren Taifun heimgesucht worden.

Öffentliches Leben kam zum Stillstand

Der Wirbelsturm peitschte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern durch die ehemalige britische Kronkolonie. Das öffentliche Leben kam zum Stillstand, Börsen und Schulen wurden geschlossen und auch der Nahverkehr mit Bussen und Fähren eingestellt. In Indien, Bangladesch und Nepal machten die seit Tagen herrschenden Überschwemmungen mehr als 20 Millionen Menschen obdachlos.

Das Hongkonger Wetteramt rief gegen Mittag (Ortszeit) eine Sturmwarnung der Stufe acht aus, was die dritthöchste Gefahrenstufe bedeutet. Nachdem die Behörden die Bevölkerung aufgefordert hatte, nach Hause zu gehen, strömten tausende Berufstätige aus ihren Büros auf die Straßen um die letzte Bus- oder Fährverbindung zu erwischen, bevor der öffentliche Nahverkehr eingestellt wurde.

Metropole wie ausgestorben

Die ansonsten so lebendige Metropole wirkte am Nachmittag wie ausgestorben. In Einkaufszentren, Restaurants oder auf den Straßen herrschte gähnende Leere. Vereinzelt riss der Wind Baugerüste um, oder Betonteile aus den Gebäuden. Menschen kamen in Hongkong nach Angaben der Polizei aber zunächst nicht zu Schaden. Tropische Stürme sind für Hongkong keine Seltenheit. Beim bisher schlimmsten Taifun waren im September 1937 mehr als zehntausend Menschen getötet worden.

Monsunregenfällen machte Millionen Menschen obdachlos

Nach wochenlangen Monsunregenfällen im Osten Indiens, in Bangladesch und in Nepal wurden wegen Überschwemmungen mindestens 316 Menschen getötet und Millionen obdachlos. Die Behörden registrierten die schwersten Überflutungen seit mindestens 17 Jahren. Verzweifelte retteten sich auf die Dächer ihrer Hütten oder Häuser oder suchten an Bambuspfählen halt, in der Hoffnung, von Booten oder aus der Luft von Hubschraubern gerettet zu werden.

Bangladesch

Wir konnten nichts retten außer unser Leben," sagte eine 35-jährige Mutter zweier Kinder. "Wir mussten im Freien schlafen, weil wir nichts mehr haben, nichts zu essen, kein Wasser, keine Decken, keine Unterkunft." Insgesamt wird die Zahl der Todesopfer in Bangladesch mit 67 angegeben. Vier Millionen haben ihr Obdach verloren. Obwohl das Land immer wieder von Überschwemmungen heimgesucht wird, bezeichneten Experten das diesjährige Ausmaß für ungewöhnlich schwer.

Indien: 3.500 Dörfer weggespült

Im ostindischen Bundesstaat Assam mussten sich nach offiziellen Angaben mindestens 7,5 Millionen Menschen vor den steigenden Flüssen in Sicherheit bringen. 3.500 Dörfer wurden von den Fluten weggespült.

Nach Regierungsangaben fehlte es in den Katastrophengebieten vor allem an Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Im Bundesstaat Bihar galten zunächst zehn Millionen als obdachlos. Allein in der Nacht zum Freitag verloren 1,5 Millionen ihr Zuhause. Das Militär flog Rettungseinsätze mit zehn Hubschraubern. Mindestens 2.500 Rettungsboote waren im Einsatz. (APA)

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