Bienen als Kälteopfer

23. Juli 2004, 11:54
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Weniger Ausflüge aufgrund von Kälte und Regen - auch andere wechselwarme Tiere sind beeinträchtigt

Wien - Ihren sprichwörtlichen Fleiß konnten die Bienen bis jetzt noch nicht so richtig ausleben. Sie sind - ebenso wie viele Leidensgenossen aus dem Reich der wechselwarmen Tiere - ein Opfer des bisherigen Sommers. Josef Ulz, Präsident des Österreichischen Imkerbundes, rechnet mit Ausfällen bei der Honigproduktion von österreichweit durchschnittlich 50 Prozent.

An warmen Sommertagen beginnen Bienen bereits um etwa 5.00 Uhr mit Ausflügen. Heuer war es dagegen auch an halbwegs regenfreien Tagen auch um 8.00 Uhr noch zu kalt. Leichter Regen macht den Tieren wenig, bei heftigeren Niederschlägen bleiben die Tiere allerdings im Stock. Dicke Tropfen wie bei einem Gewitter können die fliegenden Bienen nämlich leicht zum Absturz bringen.

Honig-Saison

Sollte es auch in absehbarer Zeit anhaltend warm werden, können die Bienen die bisherigen Verluste nicht mehr aufholen. Die Saison ist für die Imker praktisch gelaufen. Lassen sie die Bienen nämlich bis in den Spätsommer hinein Honig sammeln, so droht eine Vermehrung der Varroa-Milben in den Stöcken. Um den Honig nicht zu kontaminieren können nämlich Bekämpfungsmaßnahmen gegen die Milbe erst nach der Entnahme des Honigs durchgeführt werden.

Ansonsten haben die österreichischen Imker die Situation mit der Varroa-Milbe, die an Larven und Bienen schmarotzt, weitgehend im Griff, sagte Ulz. Im Sommer, nach der Honigernte, werden die Stöcke mit Ameisensäure bedampft, was den Milben den Garaus macht. Im Winter gibt es dann noch einmal eine Behandlung mit Oxalsäure. Beide Substanzen sind organische, in der Natur vorkommende Säuren, die rückstandslos verdunsten.

Andere wechselwarme Tiere

Nicht viel besser als den Bienen geht es den meisten wechselwarmen Tieren in der Natur, etwa dem ganzen Heer der Insekten, aber auch Reptilien und Amphibien. Im Gegensatz zu Vögeln und Säugetieren verfügen sie über keine innere Heizung und sind mehr oder weniger auf die Umgebungstemperatur angewiesen. Ist es kühl, laufen bei wechselwarmen Tieren alle Lebensvorgänge langsamer ab. Auch die Entwicklung von Eiern oder Larven ist deutlich verzögert.

Somit können auch teils ans Wasser gebundene Tiere - wie etwa Gelsen mit ihren aquatischen Larven - bisher nicht wirklich vom vielen Regen profitieren. Dauert die Entwicklung einer Stechmücke vom Ei bis zum fertigen Vampir bei Tropentemperaturen gerade einmal wenige Tage, kann sich die Sache bei kühler Witterung über Wochen hinziehen. (APA)

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