Archivierte Artenvielfalt in Salzburg

23. Juli 2004, 11:54
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Rund 80.000 Datensätze sind derzeit im Archiv des "Haus der Natur" gespeichert

Salzburg - Rund 3.000 Blütenpflanzen, 1.000 Schmetterlingsarten, 1.500 bis 2.000 Käferarten, 183 Brutvögel und viele andere Tier- und Pflanzenarten: Die Flora und Fauna im Bundesland Salzburg ist ungeheuer vielfältig. Das Salzburger "Haus der Natur" hat in den vergangenen Jahren ein riesiges digitales Archiv aufgebaut, um diese Artenvielfalt zu dokumentieren und die Daten zugänglich zu machen.

Rund 80.000 Datensätze sind derzeit im Archiv gespeichert, sagte der Direktor des Hauses der Natur, Eberhard Stüber. Sein Haus ist Pionier beim Aufbau eines digitalen Biodiversitäts-Archivs und Vorbild für viele andere Institutionen.

"BioOffice"

Auf Knopfdruck kann man feststellen, wo im Bundesland Salzburg Alpensalamander, Schwalbenschwanz, Steinbock, Karmingimpel oder seltene Orchideen vorkommen - und wie sich die Populationen und Habitate verändert haben. Laufend werden nämlich von den drei Betreuern des Archivs neue Informationen in die spezielle Datenbank-Software "BioOffice" eingegeben.

Die umfangreichen Archive des Hauses der Natur sind dabei wichtige Quelle: 420.000 Exemplare umfasst allein die Sammlung an Schmetterlingen, Käfern, Heuschrecken und Libellen. Dazu kommen aktuelle Informationen: Viele freiwillige Helfer, die sich auf bestimmte Pflanzen oder Tiere spezialisiert haben, liefern dem Team der Datenbank laufend Angaben über Fundorte und Vorkommen.

Vorkommen

Wurden diese Daten früher auf Zetteln erfasst, wird nun alles in den Computer eingegeben. Dort kann man dann auf Knopfdruck Informationen abrufen: Sucht man beispielsweise nach dem Hochmoorgelbling, einem stark gefährdeten Schmetterling, erscheinen auf einer digitalen Salzburg-Karte die noch vorhandenen Lebensräume mit kleinen Punkten. Im Alpenvorland und in den Kalkalpen ist der Hochmoorgelbling schon beinahe ausgestorben. Im Nationalpark Hohe Tauern hingegen gibt es noch wichtige Lebensräume.

Der Wachtelkönig, ein wiesenbrütender Vogel, ist im Bundesland Salzburg fast völlig verschwunden: Auf der Karte zeigt sich, dass vor 1980 noch einige Vorkommen im Lungau und Flachgau vorhanden waren. Danach hat sich die Zahl der Beobachtungen stark verringert.

Nutzen des Biodiversitätsarchivs

Genau solche Informationen auf Knopfdruck sind es auch, die den Nutzen des Biodiversitätsarchivs ausmachen: Geht es beispielsweise um ein Bauvorhaben in einer Gemeinde, kann rasch festgestellt werden, ob dadurch Lebensräume für seltene Pflanzen oder Tiere zerstört werden, erläuterte Stüber. Das digitale Archiv liefert Argumente für den Schutz eines Gebietes - auch für die Ausweisung von Natura 2000-Gebieten.

Das Salzburger Biodiversitätsarchiv ist ein Baustein des gesamteuropäischen Arteninventars. Die Zusammenschau zwischen historischen Daten und den auf Landkarten sichtbaren Vorkommen liefert auch Anregungen für weitere Forschungsarbeiten, erzählte Stüber.

Ständige Veränderungen

Wer glaubt, die Archivarbeit sei langweilig, der irrt: Die Natur verändert sich ständig, Arten sterben aus, andere Arten wandern ein. "Veränderungen im Klima bringen auch Veränderungen in der Fauna und Flora. Es gibt einen ständigen Wandel", sagte Stüber. Als Beispiel nennt er die indische Mauerwespe, die sich in den vergangenen Jahren bei uns sehr stark verbreitet hat. Kaum jemand weiß, dass der Weißstorch vor über 100 Jahren in der Stadt Salzburg gebrütet hat oder der Waldrapp in den Mönchsbergwänden zu Hause war, erzählt die Christine Medicus, die sich unter anderem um die Vogeldaten kümmert.

Das Archiv zeigt auch, wie die Zahl der Arten in manchen Bereichen schwindet. Patrick Gros, ebenfalls Mitarbeiter des Archivs, hat ein Beispiel: In einem kleinen Gebiet nördlich des Untersbergs gab es 1961 noch 108 Schmetterlingsarten, nach 1991 sind nur mehr 38 Arten dokumentiert. (APA)

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    Das Großbecken für die Schwarzspitzenhaie im Haus der Natur in Salzburg (Archivbild)

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