Medienwächter prüfen Schönheits-Operationen im "Big Brother"-Haus

19. Juli 2004, 11:25
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Brustvergrößerungen oder Fettabsaugen möglicherweise negatives Vorbild für Jugendliche

Die im "Big Brother"-Haus geplanten Schönheits-Operationen sind ins Visier der Medienaufsicht gerückt. "Wir werden die Vorgänge unter dem Aspekt des Jugendschutzes prüfen", sagte Annette Schriefers, Sprecherin der für RTL II zuständigen Landesanstalt für Privaten Rundfunk (LPR) in Hessen, am Freitag. Kritisch zu betrachten sei, dass Brustvergrößerungen oder Fettabsaugen jugendlichen TV-Zuschauern möglicherweise als negatives Vorbild dienen könnten.

Lange Beratungsgespräche

"Big Brother"-Produzent Rainer Laux widersprach. "Wir haben am Donnerstagabend in der Sendung lange Beratungsgespräche mit den Kandidaten geführt und dabei auch den Zuschauern alle Risiken der Eingriffe erläutert", sagte Laux. Da "Big Brother" mit seinen Tageszusammenfassungen auf RTL II und der Live-Ausstrahlung im Pay TV auf Premiere in "Echt-Zeit" zu verfolgen sei, kämen auch die mit den Operationen verbundenen Probleme deutlich zum Zuschauer.

Mehrere Kandidaten der täglichen Realityshow wollen in den kommenden Wochen ihr Äußeres verändern lassen - aber nur einer darf es kostenfrei. Am Donnerstag hatten sich die Fernseh-WG-Bewohner Paco, Ilkay, Miriam, Patricia und Franzi vom Düsseldorfer Schönheitschirurgen Axel Neuroth beraten lassen. Der füllige Paco (39) bat den Arzt, "ein bisschen Fett absaugen" zu lassen. Neuroths Antwort: "Ne, da können wir jetzt so nichts machen. Erst mal ein bisschen abspecken, Sport machen - und dann sehen wir weiter."

Patricia (25) mäkelte: "Mein Busen ist zu klein." Neuroth betrachtete sich die Oberweite der Animateurin eingehend und schlug vor: "Oh, da kann man was Schönes draus machen. Ich würde keine großen Implantate nehmen, nur eine Nummer größer." Punk-Türkin Ilkay (32) forderte das volle Programm: Bauchstraffung, Busenvergrößerung, Lippen aufpumpen und Augenkorrektur. Im Haus frohlockte sie nach dem Gespräch mit Neuroth: "Alles schön, alles okay. Nicht ist unmöglich, sagt der Doc!"

Dokusoap "Alles ist möglich"

Mit dem Schönheits-Programm will RTL II vor allem den großen Sendern RTL und ProSieben ein Schnippchen schlagen. Der große Bruder RTL plant für den Herbst die Dokusoap "Alles ist möglich", in der einige Menschen beim Gang zum Schönheitschirurgen begleitet werden. ProSieben beabsichtigt eine größer angelegte Reihe mit dem Titel "The Swan" - aus "hässlichen Entlein" werden wie im Märchen dank moderner Hilfsmittel schöne Schwäne. Der Reality-Boom ist unerschöpflich und hat sich jetzt auch die Themen Wellness und Beauty zu Eigen gemacht.

Mit der laufenden - fünften - "Big Brother"-Staffel, die auf ein Jahr Dauer festgelegt ist, hat RTL II bislang keine Tabus gebrochen. Laut Schriefers hat lediglich die Teilnahme einer Mutter, die ihr Kleinkind zu Hause ließ, zu Beginn der Staffel "aus moralisch- ethischen" Erwägungen für Irritationen gesorgt. RTL-II- Geschäftsführer Josef Andorfer sei darum gebeten worden, die Frau aus dem Container zu schicken - er tat es auch. Die Sex-Szenen seien unter Jugendschutzgesichtspunkten unbedenklich gewesen.

Ein kleines Schmankerl konnte sich "Big Brother" am Freitag nicht verkneifen. Die ProSieben-Show "Die Alm" wollte ihrer Kandidatin Diana Herold für die Tagesprüfung Saft aus zerquetschten Nacktschnecken (ProSieben: "Ein Hustenmittel") servieren. Die "Big Brother"-Bewohner nahmen die Ekel-Aufgabe vorweg. Laux: "Purer Zufall..." (APA/dpa)

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