Herzinfarkt zwingt zu Vertagung des "Saliera"-Prozesses

20. Juli 2004, 12:16
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43-jähriger Wiener, der Seipel auf falsche Fährte gelockt haben soll, ist im Spital

Wien - Der Betrugsprozess gegen jenen 43-jährigen Wiener, der dem Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel, versprochen haben soll, die abhanden gekommene "Saliera" wieder zu beschaffen, musste am Freitag im Wiener Landesgericht auf unbestimmte Zeit vertagt werden. Der Angeklagte war nicht erschienen. "Nach Auskunft des Arbeitersamariterbundes ist er um 8.20 Uhr mit Verdacht auf Herzinfarkt von zu Hause abgeholt und ins Spital gebracht worden", berichtete Verteidiger Nikolaus Rast.

Auf der falschen Fährte

Der bereits wegen Betruges vorbestrafte Mann war bei Seipel vorstellig geworden und hatte laut Anklage vorgegeben, den Täter zu kennen, der am 11. Mai 2003 - angeblich im Auftrag italienischer Gangster - das kostbare Salzfass aus dem Museum gestohlen hatte. Seipel zahlte 7.000 Euro, nachdem der mutmaßliche Betrüger erklärt hatte, er könne die "Rückholung" arrangieren, müsse aber die Hotel-Rechnung des Einbrechers bezahlen.

Der Museumsdirektor wurde bis nach Italien gelotst, wo er erfuhr, das von Interpol weltweit gesuchte Salzfass sei angeblich wieder in die Bundeshauptstadt zurückgekehrt. Die in Aussicht gestellte Übergabe in einem Wiener Hotel kam aber nie zu Stande.

Anklagepunkte

Neben Betrug wird dem 43-Jährigen auch Verleumdung und Falschaussage vor einer Verwaltungsbehörde angelastet: Gegenüber der mit dem Fall betrauten Kriminaldirektion 1 hatte er mehrfach einen Bekannten als "Saliera"-Dieb bezeichnet. Dieser sitzt allerdings noch geraume Zeit im Gefängnis.

Der mutmaßliche Hochstapler ist nach Angaben seines Anwalts schwer krank: Drei Mal wöchentlich muss er sich einer jeweils vierstündigen Dialyse unterziehen. "Er hat auch schon vier Herzinfarkte hinter sich und einen Herzschrittmacher eingepflanzt bekommen", erklärte Rast.

Möglicherweise U-Haft

Im Auftrag von Richter Friedrich Zeilinger muss der Verteidiger bis kommenden Dienstag die schriftlichen Unterlagen über die angebliche jüngste Herzattacke nachreichen. Sollten Zeilingers offensichtliche Bedenken hinsichtlich der behaupteten Entwicklung ("Grundsätzlich ist das anzuzweifeln") nächste Woche nicht ausgeräumt sein, drohte er an, über den Beschuldigten die U-Haft zu verhängen.(APA)

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