Graphologisches Gutachten des Europaparlaments zu Martin fertig

17. Juli 2004, 18:36
posten

Wird aber noch nicht veröffentlicht - Präsidium soll sich nächste Woche damit befassen

Brüssel - Das vom Europaparlament in Auftrag gegebene graphologische Gutachten zur Überprüfung des Vorwurfs der Unterschriftenfälschung durch den parteifreien österreichischen Abgeordneten Hans Peter Martin ist fertig, wird aber noch nicht veröffentlicht. Der Expertenbericht werde "wahrscheinlich am Mittwoch oder Donnerstag" bei der Sitzung in Straßburg dem neuen Präsidium des EU-Parlaments übergeben, sagte ein Parlamentssprecher am Freitag gegenüber der APA.

Zuerst soll sich der Generalsekretär des EU-Parlaments, Julian Priestley, mit dem graphologische Gutachten auseinander setzen, erst dann wird es an den künftigen Parlamentspräsidenten weitergereicht. Eine Graphologin im Auftrag der sozialdemokratischen Fraktion im EU-Parlament war wenige Tage vor der EU-Wahl im Juni war zu dem Schluss gekommen, dass ein "starker Verdacht" bestehe, dass Martins Unterschrift bei einer Parlamentssitzung in Brüssel gefälscht worden sei. Martin hatte den Vorwurf umgehend als "dreckigen Versuch des Rufmordes" zurückgewiesen.

Eigenes Gutachten

Das EU-Parlament ging darauf selbst dem Vorwurf nach und gab ein eigenes graphologisches Gutachten in Auftrag. Martins Anwalt Dieter Heine hatte erklärt, man könne juristisch gesehen nicht von einer Verdächtigung durch das EU-Parlament sprechen.

Konkret geht es um den 9. Oktober 2001. An diesem Tag hielt Martin in Kopenhagen einen Vortrag. Dem EU-Parlament liegt nach Angaben eines Sprechers die Boarding Card für den Rückflug vor, der um 14:40 Uhr startete und laut Flugplan um 16:10 Uhr in Brüssel ankam. Am gleichen Tag nahm Martin aber laut Unterschrift an einer Sitzung des Industrieausschusses teil, die laut Protokoll um 16:15 Uhr zu Ende ging. (APA)

Share if you care.