Werbebestimmungen "praxisnah auslegen", fordert Stiftungsratchef

23. Juli 2004, 14:33
5 Postings

Pekarek: "Offene, sach­orientierte Manöver­kritik" des ORF-Gesetzes zu "angemessenem Zeitpunkt" erwünscht - Nach Radiotest: "Überlegungen" bei Ö3 notwendig

Klaus Pekarek, Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats, plädiert dafür, die Werbebestimmungen im ORF-Gesetz "praxis- und wirtschaftsnah" auszulegen. Der Ruf nach einer Kontrolle der ORF-Werbepraxis sei "nachvollziehbar", signalisiert er im APA-Interview "Verständnis für den Markt". Derzeit aber herrsche noch zu große "Planungsunsicherheit". Im Radiobereich geht Pekarek davon aus, dass auf die aktuellen Radiotest-Werte für Ö3 reagiert werden muss.

Iglo-Spot

Nur wenige Tage nach dem Beschluss der Kontrolle der ORF-Werbung durch die KommAustria wurde ein Urteil des Bundeskommunikationssenats bekannt, wonach der ORF mit einem Iglo-Spot im Rahmen der Ski-Weltcup-Übertragung im Winter gegen das Gesetz verstoßen hat. Pekarek befürchtet weit reichende Folgen dieses Spruchs: "Iglo ist Teamsponsor des ÖSV in einer beträchtlichen Größenordnung, die Verträge des ÖSV mit dem ORF wiederum nehmen auf derartige Möglichkeiten Bezug. Das wird sicher zu einer Reduktion des Werbewertes insgesamt führen."

Der weitere Verlauf des Verfahrens - der ORF beruft - werde zeigen, ob diese "enge Interpretation" des Gesetzes "die Linie für die künftige Praxis sein wird". Pekareks Wunsch ist jedenfalls "nach einem angemessenen Zeitraum eine offene, sachorientierte Manöverkritik des ORF-Gesetzes".

"Erfolgsstory Ö3" hat Regionalradios "beflügelt"

Den im aktuellen Radiotest ausgewiesenen Verlusten für Ö3 zu Gunsten anderer ORF-Radios kann Pekarek auch positive Aspekte abgewinnen. "Wenn es so etwas wie eine gelebte interne Konkurrenz gibt, liegt es in der Natur der Sache, dass man wechselseitig profitiert." Will heißen: Die "Erfolgsstory Ö3" habe die Regionalradios "beflügelt", umgekehrt werde jetzt deren Erfolg das Hitradio anstacheln. Klar ist aber, "dass es bei Ö3 entsprechende Überlegungen geben wird und geben muss".

"Abbröckeln" der Marktanteile

Die Quotenentwicklung sei auch im Fernsehen "sehr ernst zu nehmen", mahnt Pekarek. Wobei der ORF-Juni "auf Grund positiver Sonderfaktoren" - Stichwort Fußball-EM - erfreulich verlaufen sei. Langfristig sei aber zwangsläufig mit einem "Abbröckeln" der ORF-Marktanteile zu rechnen, "wenn das duale System erfolgreich sein soll". Um dem ORF dennoch die Marktdominanz zu sichern, müsse er sich "auf die Kernkompetenzen der Marke ORF konzentrieren".

"Mittelfristig sind die Möglichkeiten im Bereich der Gebühren ausgereizt"

Aber es gelte auch, den wachsenden Kostendruck im Auge zu behalten. Der Kostenschere am Küniglberg auf der Spur waren im Frühling etwa Unternehmensberater. Deren Sparvorschläge liegen im Personalbereich und sind ein Thema bei einer Strategieklausur im September. "Mittelfristig sind die Möglichkeiten im Bereich der Gebühren ausgereizt, die Entwicklung im Bereich der klassischen Werbung ist durch konjunkturelle Situation und Gesetz gleich doppelt limitiert. Zugleich ist im Stiftungsrat beschlossen worden, dass das Unternehmen ausgeglichen zu budgetieren und bilanzieren hat", skizziert Pekarek den Aktionsradius der ORF-Geschäftsführung.

Eine weitere "gewaltige Herausforderung" für den ORF ist nach wie vor die geforderte "Kostenneutralität" des neuen ORF-Kollektivvertrages, der mit 2004 die Anstellung von über 1.200 freien Mitarbeitern brachte, meint Pekarek. Diese Kostenneutralität "scheint erreichbar zu sein", so seine zurückhaltende Einschätzung.

Weitere Anstellungen würden allerdings "die Herausforderung noch weiter steigern. Aber ich würde sagen, sie ist derzeit schon groß genug". ORF-Zentralbetriebsratchef Heinz Fiedler wünscht sich ja die Anstellung des von Drittfirmen angemieteten Personal im ORF, was derzeit geprüft wird.

"Zeitkorsett"

Eine Absage erteilt Pekarek Spekulationen, wonach die Wahl der ORF-Generaldirektion vorgezogen werden könnte, um eine Kollision mit dem Nationalratswahlkampf 2006 zu vermeiden. Dies sei für ihn derzeit "kein Thema". Die "ganz klare Rechtslage" schreibe ein "Zeitkorsett" vor, das nicht ohne Novellierung des ORF-Gesetzes geändert werden könne, betont er. Demnach müsste der Posten der ORF-Generaldirektion am 1. Juli 2006 vom Vorsitzenden des Stiftungsrates ausgeschrieben werden, die Wahl wäre Ende September 2006 fällig.

"Ich fühle mich an das geltende ORF-Gesetz gebunden und sehe überhaupt keinen Grund, davon abzuweichen. Derartige Gedankenspiele sind für mich derzeit kein Thema", hält Pekarek fest. Ob er ein Wiederantreten von ORF-Generaldirektorin Monika Lindner begrüßen würde? "Ich vermeide jede wertende Stellungnahme. So eine Frage ist nur dann relevant, wenn es der zeitliche Fahrplan gebietet. Zum jetzigen Zeitpunkt, ziemlich genau in der Mitte einer Funktionsperiode, wären Spekulationen unverzeihlich." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Klaus Pekarek signalisiert "Verständnis für den Markt".

Share if you care.