Airlines geraten bei Online-Buchern ins Hintertreffen

23. Juli 2004, 10:37
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Forrester Research: Fluggesellschaften müssen Preismodelle für Online-Buchungen ändern - Airline-Web-Sites wenig transparent

Internet-Kunden geben für die Buchung von Reisen mehr Geld aus als für jede andere Waren- oder Dienstleistungsgruppe. Immer mehr buchen nicht bei der Fluggesellschaft selbst, sondern bei einer Online-Agentur, geht aus einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens Forrester Research hervor. Um diese Entwicklung zu stoppen, müssen die Airlines ihre Angebote zu Gunsten eines offenen, sowohl für Kunden als auch für Geschäftspartner und Mitarbeiter zugänglichen und nachvollziehbaren Preissystems umstellen.

Anstieg

Der Anteil der über Internet gebuchten Urlaubsreisen in Europa soll von aktuell 5 Prozent bis 2009 auf 16 Prozent steigen, erwarten die Studienautoren. In Großbritannien, dem in dieser Hinsicht am weitest entwickelten Land Europas, dürfte dieser Wert im gleichen Zeitraum von derzeit 10 auf gut 30 Prozent ansteigen.

Wer von dieser Entwicklung am meisten profitiert - die Online-Reiseagenten, die Reiseveranstalter oder die Fluglinien - werde vom Preis und von der Transparenz des Angebotes abhängen, erwartet Forrester-Analyst Jaap Favier. Online-Bucher vergleichen Preise und Angebote besonders intensiv. Neben den Websites der Fluggesellschaften werden auf der Suche nach den günstigsten Offerten häufig auch die Internet-Auftritte von Online-Agenturen wie Expedia oder lastminute frequentiert. Bei einem Drittel der untersuchten Fälle würden diese Agenturen ein und denselben Flug günstiger (und zu besseren Konditionen) anbieten als die untersuchten Fluglinien - Air France, British Airways, British Midland, KLM und Lufthansa - auf ihren Homepages. "Daher verlieren Fluggesellschaften immer mehr Geschäft an die Online-Reiseagenturen, obwohl sie zweistellige Millionenbeiträge in ihre Web-Sites und Electronic Ticketing investiert haben", so Faviers ernüchternder Befund.

Auswahl

Weiterer Grund, warum Anbieter wie Expedia, lastminute & Co an Boden gewinnen: Die meisten Fluggesellschaften bieten online nur ihre eigenen Flugverbindungen an. Die von den Airlines gegründete Agentur Opodo, die durch den Vergleich von Flügen und Tarifen verschiedener Anbieter den Fremdanbietern Paroli bieten sollte, wurde durch eine relativ hohe Buchungsgebühr von 15 Euro sowie durch noch immer mangelnde Vergleichbarkeit der Preise schon in der Startphase gebremst. Zudem erhalte Opodo keineswegs die günstigsten Konditionen, stellte Forrester fest: Air France etwa bietet häufig mehreren Online-Agenturen den gleichen Preis an und überlässt es ihnen, sich durch unterschiedliche Buchungsgebühren voneinander abzugrenzen.

Durch das Anbieten eines ganzen Reisepakets könnten Online-Agenturen wie Expedia den Verkauf von Flugtickets attraktiver gestalten. Allein in Deutschland generiert Expedia damit rund 50 Prozent seiner Einnahmen.

Gebühren

Ertragsmindernd für die Fluggesellschaften wirkt sich auch die Tatsache aus, dass sie Gebühren für das GDS-System (Global Distribution System) abführen und einigen Agenturen Preisabschläge einräumen müssen. Für online verkaufte Tickets müssen die Airlines den Online-Agenturen außerdem Kommissionsgebühren zugestehen - Kosten, die rund 15 Prozent des Wertes eines online verkauften Tickets ausmachen. Und zusehends verschlechtert sich die Verhandlungsposition der Fluglinien gegenüber den fünf großen Agenturen in Europa. Denn wenn immer mehr Kunden online buchen, können die unabhängigen Agenturen den Airlines immer höhere Preisabschläge abtrotzen und damit direkten Einfluss auf deren Preisbildungsstrategien nehmen. Hält die aktuelle Marktkonsolidierung an wie bisher, dann dürfte etwa der Anbieter lastminute in Kürze rund 10 Prozent des Ticket-Umsatzes von British Midlands abwickeln, erwartet Forrester. (APA)

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