Neuer Chef will Wolford profitabel machen

28. Juli 2004, 11:16
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Umsatzrückgang soll entgegengewirkt werden - Dividende erst bei gestärkter Ertragslage - "Restrukturierungsphase im Wesentlichen abgeschlossen"

Wien - Der neue Chef des börsenotierten Vorarlberger Strumpf-, Body- und Wäschekonzerns Wolford, Holger Dahmen, will das Unternehmen auf neue Beine stellen und auch "nachhaltig" im teuren Luxus-Segment positionieren: Mit Lizenzpartnern wie Karl Lagerfeld, Vivienne Westwood, Armani oder ab Herbst auch Emilio Pucci, einem Fokus auf eigene Wolford-Geschäfte sowie mehr Geld für Werbung soll es "kurz- und mittelfristig gelingen, die Umsätze zu steigern und profitabel zu arbeiten", sagte Dahmen am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz in Wien.

Konkret sieht der Business-Plan von Wolford in zwei bis drei Jahren wieder eine zweistellige Ebit-Marge und ein Gearing (Verhältnis Nettoverschuldung zu Eigenkapital) von 30 Prozent vor, wie Finanzvorstand Peter Simma ergänzte. Mit einer mittlerweile guten Strukturierung und schlanken Kostenstruktur sei der Konzern "für Wachstum gut gerüstet". Selbst wenn der Umsatz nur geringfügig steige, sei ein überproportional höheres Ergebniswachstum möglich, zeigte sich Simma zuversichtlich. Eine Dividende stellte Dahmen noch nicht in Aussicht - erst wenn sich die "Gewinndynamik entsprechend gestärkt hat", hieß es.

Schluss mit Rabatten

Die neue Strategie, die auf Distributionsanalysen und Marktforschungsdaten basiert, werde auch zu einer "Korrektur" bei den Preisabschlägen führen, so der neue Wolford-Chef, der die Rabatte etwa bei den Schlussverkäufen deutlich zurückfahren will. Obwohl dies teilweise bereits umgesetzt worden sei, habe es im vierten Quartal des abgeschlossenen Geschäftsjahres 2003/04 eine "Umsatzdynamik" gegeben, die sich auch in den ersten Monaten des neuen Bilanzjahres fortgesetzt habe, zeigte sich Dahmen mit dem eingeschlagenen Weg zufrieden.

Positive Kennzahlen trotz Umsatzrückgang

Im Ende April abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 ist der Vorarlberger Strumpfhersteller mit einem blauen Auge davon gekommen. Der Umsatz ist zwar um 7,4 Prozent auf 119,2 Mio. Euro zurückgegangen, alle Ertragskennzahlen blieben jedoch positiv, hieß es. Das Betriebsergebnis (Ebit) ging von 3,4 auf 2,6 Mio. Euro zurück. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) sank von 1,4 auf 1,0 Mio. Euro, der Jahresüberschuss von 2,5 Mio. auf 860.000 Euro.

Rund die Hälfte des Umsatzrückganges sei auf Wechselkursschwankungen zurückzuführen, zumal mehr als 30 Prozent des Geschäfts in Dollar, Franken, Pfund und Yen fakturiert werden. Knapp 30 Prozent des Umsatzrückgangs werden mit der Schließung unrentabler Standorte begründet. Derzeit betreibt Wolford 226 Boutiquen, 46 davon werden vom Unternehmen selbst geführt. Neben Kontraktgeschäften, dem Fachhandel, Kaufhäusern und Factory Outlets seien die Monobrand-Boutiquen der "stärkste Vertriebskanal", so Dahmen.

Die Wolford-Gruppe beschäftigte 2003/04 durchschnittlich 1.430 Mitarbeiter, nach 1.571 im Geschäftsjahr davor. Nachdem die Restrukturierungsphase "im Wesentlichen abgeschlossen" sei, soll nun "punktuell" der Personalstand sogar wieder verstärkt werden ,so Simma.

USA auf dem Weg zum größten Markt

Der größte Absatzmarkt für Strümpfe, Bodies und Wäsche von Wolford ist mit einem Anteil von 17,7 Prozent am Gruppen-Umsatz zwar nach wie vor Deutschland, das Geschäft war dort jedoch vor allem auf Grund der schlechten Wirtschaftslage in den vergangenen Jahren rückläufig. Bereits 15,5 Prozent des Umsatzes beim börsenotierten Vorarlberger Strumpfhersteller wurden im Geschäftsjahr 2003/2004 in den USA erwirtschaftet, berichtete Dahmen.

Auf Grund der schlechten Währungsrelationen hat der US-Umsatz in Euro aber nur um ein Prozent im Jahresvergleich zugelegt, in Dollar gerechnet ist das US-Geschäft dagegen um 20 Prozent gewachsen. Sollte sich dieser Trend fortsetzten, könnten die USA Deutschland bald den Rang als Hauptumsatzmarkt ablaufen, so die Unternehmensspitze.

Gute Entwicklung der eigenen Boutiquen

Mit einem flächen- und währungsbereinigtem Umsatzplus von 12 Prozent sei die Entwicklung der eigenen Boutiquen im vergangenen Geschäftsjahr besonders erfreulich gelaufen, die in jedem Markt Zuwächse verbuchen können, so Dahmen. Dies sei ein Beweis für die Markenstärke und Bedeutung der segmentgerechten Präsentation der Produkte am Verkaufsort. Daher sollen Boutiquen als Distributionskanal künftig auch ausgebaut werden, gab der neue Chef den Weg vor. Der Umsatzanteil der Boutiquen lag zuletzt bei 38,9 Prozent. Im Vorjahr wurden weltweit 41 unrentable Standorte geschlossen und 19 neue Boutiquen eröffnet.

Während vor vier Jahren noch 13,1 Prozent des Umsatzes investiert wurden, wurde dieser Anteil auf nunmehr drei Prozent zurückgefahren. Künftig sollen vier Prozent des Geschäftes vor allem in die Erhaltung des hohen technologischen Standards fließen, hieß es. Der Cash-flow des Strumpfherstellers hat sich dagegen im Vergleich zu vor zwei Jahren deutlich verbessert, im Jahresvergleich 2003/04 zu 2003/02 ist jedoch ein währungsbedingter Rückgang von 14,2 auf 12,9 Mio. Euro zu verzeichnen.

Netto-Finanzverschuldung halbiert

Das Eigenkapital von Wolford stieg von 64,4 auf 65,1 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote konnte somit auf 47,9 Prozent verbessert werden. Auch die Finanzierungsstruktur wurde weiter verbessert: Mit 23,4 Mio. Euro zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres wurde die Nettofinanzverschuldung seit 2001/02 halbiert. Der Verschuldungsgrad ist auf 36 Prozent gesunken.

Wolford teilt seine Erzeugnisse in vier Produktgruppen ein - Legwear (Strümpfe und Strumpfhosen), Bodywear (Bodies, Sweater, Shirts, Hosen, Röcke, Kleider, etc.), bodyCULTURE (Wäschelinie) und Swimwear (Bademode). Legwear bildet das Kerngeschäft und trägt aktuell 49 Prozent zum Konzernumsatz bei, gefolgt von Bodywear mit 37 Prozent. Der Vertrieb erfolgt über weltweit 226 Boutiquen, sowie über den Textilfachhandel und Factory Outlets. (APA)

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