Rennen zwischen Kerry und Bush noch immer völlig offen

18. Juli 2004, 21:22
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Parteitage werden jeweils Zuwächse in Umfragen bringen, aber es wird eng bleiben

Washington - Vom 26. bis 29. Juli werden sich die 4.322 Delegierten der US-Demokraten in Boston zusammenfinden, um John Kerry endgültig und offiziell zum Herausforderer von George W. Bush im Kampf um die US-Präsidentschaft zu küren. Ein Formalakt, da Kerry längst weit mehr als die für die Nominierung nötige Mehrheit der Delegierten "im Sack" hat. Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen am 2. November ist nach aktuellen Meinungsumfragen allerdings weiterhin völlig offen.

Die laufend aktualisierte Umfrage der "Los Angeles Times" über die gegenwärtigen Werte der Kandidaten in den einzelnen US-Staaten zeigt ein Kopf-an-Kopf-Rennen, in dem Kerry gegenwärtig nur mit 169 zu 154 Wahlmännerstimmen vor Bush liegt. Ein zu vernachlässigender Vorsprung, da 215 der insgesamt 538 Wahlmännerstimmen derzeit noch "up for grabs", also für beide Kandidaten zu erobern, sind.

Kerry liegt zwar laut einer Gallup-Erhebung mit 50 Prozent fünf Prozentpunkte vor Präsident George W. Bush; eine Umfrage der "Washington Post" sieht allerdings beide wie schon im Juni mit jeweils 46 Prozent gleichauf. Der unabhängige Kandidat Ralph Nader rangiert in den Umfragen zwischen zwei und sieben Prozent und spielt damit in den Rechenexempeln keine Rolle - außer jener, wie bei den letzten Wahlen dem demokratischen Kandidaten Stimmen zu entziehen.

Kerrys Wahl von John Edwards zum Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten bescherte laut Gallup dem demokratischen Lager einen leichten Stimmenzuwachs. Vor drei Wochen hatte Kerry demnach lediglich mit einem Prozentpunkt vor Bush geführt, nun sind es nach der Rechnung der Meinungsforscher fünf Prozentpunkte. Allerdings habe der "Faktor Edwards" die Ergebnisse in den republikanischen Hochburgen im Süden der USA - und der Heimat von Edwards - nicht nennenswert beeinflusst, so die im Auftrag des Nachrichtensenders CNN und der Zeitung "USA Today" durchgeführte Meinungsumfrage. Im Heimatstaat von Senator Edwards, in North Carolina, wollen, wie auch die L.A. Times bestätigt, noch immer 54 Prozent für Bush stimmen, nur 39 Prozent für Kerry.

Gallup hatte zwischen dem 8. und dem 11. Juli rund 1.000 US-Bürger befragt. Bei der Erhebung der "Washington Post" waren im selben Zeitraum etwa 850 Bürger befragt worden. Die L.A. Times aktualisiert ihre Prognosen laufend mit Umfragedaten aus den einzelnen Staaten.

Der Parteikonvent und die damit verbundene mediale Aufmerksamkeit werden Kerry und Edwards traditionell einen spürbaren Schub in den Meinungsumfragen verpassen. Die Zuwächse in den Umfragen reichten in den Wahlkämpfen der jüngeren Vergangenheit bis zu 16 Prozent (Bill Clinton im Wahlkampf gegen George Bush sen. 1992). Höhere Zuwächse aus dem Parteikonvent "mitzunehmen" als der jeweilige Gegner bedeutet aber keineswegs eine Garantie auf den Sieg am Wahltag, wie in den 80er Jahren der Reihe nach die Demokraten Jimmy Carter (gegen Ronald Reagan), Michael Dukakis (gegen Bush sen.) - und zuletzt vor vier Jahren Al Gore schmerzlich erfahren mussten.

Anhand der letzten 10 Wahlkämpfe errechnete Gallup, wie sich die anstehenden Parteitage voraussichtlich auf die Umfragewerte der jeweiligen Kandidatenteams auswirken werden: Dabei haben die Demokraten heuer drei, obschon leichte, Vorteile: Ihr Parteitag ist der erste, der traditionell etwas mehr "Schub" in den Umfragen generiert; sie treten gegen einen Amtsinhaber an, was über die Jahre ebenfalls signifikant höhere Umfragewerte gab - und sie sind Demokraten, deren Parteitage bisher meist höhere Zuwächse in den Umfragen erreichten als jene der Republikaner.

All diese Faktoren lassen die Meinungsforscher prognostizieren, dass Kerry/Edwards nach ihrem Wahl-Parteitag mit einem Zuwachs in den Umfragedaten von 5,8 bis 6,9 Prozent rechnen können, wohingegen Bush/Cheney nach dem republikanischen Konvent (3. August bis 2. September in New York) mit einer Steigerung von 5,4 bis 5,5 rechnen können - und das Rennen um das Weiße Haus damit auch in den letzten beiden Monaten für keinen der Kandidaten bereits "gelaufen" sein wird. (APA)

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