Wieder toter Häftling in Stein

16. Juli 2004, 23:12
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"Der wird nimmer munter", meldete Mitinsasse Leiche im Bett - Todesursache unklar

Krems/Wien - "Der wird nimmer munter" - mit diesen Worten meldete Donnerstag in den frühen Morgenstunden ein Häftling in der Justizanstalt Stein bei Krems den Tod eines Mithäftlings. Verdacht auf Fremdverschulden lag vorerst nicht vor.

Die Leiche des Mannes, der eine 15-jährige Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte, wurde auf dem Bauch liegend in der Zelle aufgefunden. Laut Auskunft der Anstaltsleitung sei eine Untersuchung zwar angeordnet worden, die Gerichtsmediziner waren bis Nachmittag aber noch nicht in Krems-Stein eingetroffen. Bei der niederösterreichischen Sicherheitsdirektion hieß es, dass es keine äußeren Hinweise auf einen gewaltsamen Tod des Häftlings gebe. Die genaue Todesursache könne nur eine Obduktion klären.

Neu aufgerollter Fall

Wie berichtet, lässt das Justizministerium gerade einen schon länger zurückliegenden Todesfall in Stein neu aufrollen. Grund dafür sind Fotos der Leiche, die die Wiener Stadtzeitung Falter veröffentlicht hatte. Der tote Häftling ist darauf festgezurrt auf einem Gurtenbett, blutverschmiert, mit gebrochener Nase und zugestopftem Nasenloch in einer kleinen Sonderzelle zu sehen.

Die seinerzeitigen Ermittlungen hatten offiziell ergeben, dass der Mann nach einem Tobsuchtsanfall fixiert und infolge eines unentdeckt gebliebenen Darmverschlusses gestorben sei. Im Justizministerium wurde zuletzt betont, dass man die Bilder nie gesehen haben. Bei den zuständigen Ermittlungsbehörden hieß es hingegen, dass es sich um Polizeifotos aus dem Akt handle. Die Bilder seien immer beigefügt gewesen.

Zwei weitere Todesfälle in Gefängnissen

Zu zwei weiteren Todesfällen in Gefängnissen wird ebenfalls noch ermittelt: In Göllersdorf (NÖ) erhängte sich ein Häftling, in der Schwarzau (ebenfalls NÖ) erstickte vor kurzem eine Frau an Erbrochenem. (simo, APA, DER STANDARD Printausgabe 16.7.2004)

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