Tirol: Mann verlor Nerven und erschoss Anwalt und sich selbst

16. Juli 2004, 23:12
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Bei einer Zwangsräumung kam es zur tödlichen Auseinandersetzung zwischen ehemaligen Geschäftspartnern

Innsbruck/Wien - Bei einer Zwangsräumung in Loretto, einem kleinen Ort bei Hall in Tirol, verlor am Donnerstag ein Immobilien- und Autohändler die Nerven und erschoss den 50-jährigen Rechtsanwalt Josef N. aus Innsbruck. Danach beging der Täter Suizid, teilte Oberst Erwin Mayerl, Chef der Tiroler Kriminalabteilung, mit.

Hohe Verschuldung

Die tödliche Auseinandersetzung ereignete sich kurz nach 10.00 Uhr im Büro des Täters oberhalb eines Gasthauses in Hall. Zwischen den beiden Männern war es zuvor zu einer heftigen Auseinandersetzung gekommen. Der Rechtsanwalt und der 57-jährige Immobilien- und Autohändler, beide wohnhaft in Innsbruck, hatten das Gasthaus in Hall gemeinsam gekauft. Dann wurde das Lokal wieder veräußert. Wegen der hohen Verschuldung des Immobilienhändlers ersteigerte Rechtsanwalt N. den ersten Stock oberhalb des Gasthauses, der seinem ehemaligen Geschäftspartner gehört hatte.

Am Donnerstag sollte der Immobilienhändler in Anwesenheit eines Gerichtsvollziehers den Stock räumen. Dabei kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung im Büro des Händlers. Plötzlich zückte dieser die Waffe und streckte seinen ehemaligen Geschäftspartner nieder. Der Rechtsanwalt verstarb an Ort und Stelle, sagte Mayerl. Dem Gerichtsvollzieher gelang es zunächst, den Täter zu beruhigen. Als er dann aber den Raum verließ, um Hilfe zu holen, tötete sich der Täter selbst.

28.000 Klagen pro Jahr

In Österreich werden pro Jahr rund 28.000 Räumungsklagen eingebracht. Bei Räumungen und Delogierungen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen und Verzweiflungstaten: Vergangenen Herbst ging in Wien-Meidling ein Mann, dessen kleine Wohnung zwangsversteigert werden sollte, auf den Gerichtsvollzieher los. Als die Polizei eintraf, stürzte sich die Gattin des delogierten Wohnungsinhabers aus dem Fenster im dritten Stock. Sie überlebte schwer verletzt.

Im August des Vorjahres schoss sich ein 56-jähriger Wiener, der delogiert werden sollte, mit einem Revolver in den Kopf, als der Gerichtsvollzieher an der Tür läutete. Auch dieser Mann überlebte die Verzweiflungstat nur knapp. (APA, bs, simo, DER STANDARD Printausgabe 16.7.2004)

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