Flucht des Paten endete bei Graz

16. Juli 2004, 21:00
1 Posting

Einer der mächtigsten Männer der türkischen Unterwelt wurde auf der Flucht durch Europa auf der Südautobahn verhaftet

Einer der mächtigsten Männer der türkischen Unterwelt wurde von der heimischen Polizei verhaftet. Mitten auf der Südautobahn endete nach wochenlangen Ermittlungen die Flucht des Paten durch Europa.

***

Wien - "Er war von unserem Zugriff so überrascht, dass er sofort seine wahre Identität verraten hat", beschreibt Gerald Hesztera vom Bundeskriminalamt (BK) den spektakulären Fahndungserfolg. Mitten auf der Südautobahn wurde Mittwochabend bei Graz Alaettin Cakici, einer der meistgesuchten türkischen Verbrecher, aus dem Auto geholt. Seit Mai war der 51-Jährige auf der Flucht durch ganz Europa gewesen.

Auf die Spur war man dem zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilten Paten durch einen Hinweis des türkischen Verbindungsbeamten in Österreich gekommen. "Wir haben seit Mai ermittelt, schließlich haben wir herausgefunden, wann er nach Italien fahren wollte", schildert der BK-Sprecher. Auf dem Packabschnitt westlich von Graz schnappte die Falle dann am Mittwoch um 18.00 Uhr zu: Die Männer der Einsatzgruppe Cobra provozierten einen Stau und nahmen Alaettin Cakici und den Fahrer fest.

In Wiener Hotel eingemietet

Wie sich herausstellte, war der Unterweltboss mit einem gefälschten türkischen Pass unterwegs und hatte sich zuvor in einem Wiener Hotel eingemietet gehabt. Offenbar blieb er jedoch immer nur kurze Zeit an einem Ort, am Mittwoch war er unterwegs zu seinem nächsten Versteck in Italien.

Wer ihm bei seiner monatelangen Flucht geholfen hat, muss jetzt ermittelt werden. In der Vergangenheit war in der Türkei immer wieder über Rückendeckung aus Staats- und Polizeikreisen für den 51-Jährigen spekuliert worden. Auch die Umstände seines Untertauchens im Mai dieses Jahres sind dubios.

Begonnen hatte seine kriminelle Karriere in den Siebzigerjahren, als er als Mitglied einer rechtsextremen Bande mörderische Jagd auf politisch Andersdenkende machte. Nach dem Militärputsch 1980 konzentrierte er sich dann auf Erpressung, Glücksspiel und Auftragsmorde.

Mord an Exfrau

Cakici wurde zu einem der einflussreichsten Männern der türkischen Unterwelt, Mitte der Neunzigerjahre ließ er seine Exfrau ermorden und war in Bandenkriege verwickelt, bei denen mindestens fünf Menschen starben und 15 Personen verletzt wurden. Auch Banküberfälle in der Türkei soll er veranlasst haben. Zudem soll seine Organisation türkische Großbanken um mehrere 100 Millionen Euro betrogen haben.

Schon 1998 war er geflüchtet, damals stellten ihn die französischen Behörden und lieferten ihn gegen die Zusage, dass keine Todesstrafe verhängt würde, an die Türkei auf. In einem ersten Prozess forderte der Staatsanwalt dann 384 Jahre Haft, verurteilt wurde Cakici jedoch nur zu drei Jahren und vier Monaten Haft.

Während die Berufung lief, stand er unter Hausarrest - der offenbar nicht besonders streng war. Denn nachdem das oberste Gericht das Urteil am 28. April bestätigt hatte, tauchte der Pate am 5. Mai unter. Über Antalya und griechische Inseln erreichte er Italien, auch in Frankreich soll er gelebt haben, ehe seine Flucht nun auf der Pack endete. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 16.7.2004)

Share if you care.