Milliardenklage gegen Bertelsmann wegen Napster

21. Juli 2004, 20:32
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US-Gericht unterstützt Musikkonzerne

San Francisco - Schlechte Nachrichten für Europas größten Medienkonzern Bertelsmann: Ein US-Gericht hat die Milliardenklagen konkurrierender Schallplattenlabel gegen Bertelsmann wegen dessen Engagement bei der Internet-Musiktauschbörse Napster zugelassen. Die Bertelsmann-Konkurrenten wie Universal Music und Capitol Records wollen Schadenersatz für Millionen von illegalen Downloads in Höhe von mindestens 17 Mrd. Dollar.

Sie behaupten, Bertelsmann habe Napster die Urheberrechtsverletzungen nicht nur durch die Gewährung von Darlehen in den Jahren 2000 und 2001 ermöglicht, sondern sogar das Tagesgeschäft von Napster kontrolliert.

Gelassene Reaktion

Der Gütersloher Medienkonzern reagierte am Donnerstag aber gelassen auf die Entscheidung der kalifornischen Richterin Marilyn Hall Patel. "Bertelsmann hält die Behauptungen der Kläger weiterhin für völlig substanzlos." Der Gütersloher Konzern habe "zu keinem Zeitpunkt Napster kontrolliert", sagte Bertelsmann Chefsyndikus Ulrich Koch.

"Die Entscheidung der Richterin macht keinerlei Aussage über die Erfolgsaussichten der Klagen. ... Sie hat ausdrücklich festgehalten, dass die Behauptungen der Kläger vollkommen unbegründet sein können", betonte das Unternehmen.

Bertelsmann hatte zuvor bereits erklärt, Ziel der zweckgebundenen Darlehen und Vorauszahlungen in Höhe von insgesamt über 85 Mio. Dollar sei es ausdrücklich gewesen, Napster bei der Umwandlung in eine voll lizenzierte Musiktauschbörse zu unterstützen. Nach den Worten von Bertelsmann-Anwalt Bruce Rich will der Konzern sich nicht von der Entscheidung abschrecken lassen und wahrscheinlich erneut eine Abweisung der Klage beantragen.

Die ursprüngliche Tauschbörse Napster, die in ihren besten Zeiten mehr als 60 Mio. Nutzer hatte, war im Sommer 2001 nach einer Reihe von Urteilen vom Netz genommen worden. Im Oktober 2003 startete Napster wieder als kommerzieller Download-Dienst zunächst nur für Nutzer in den USA. (APA/AP)

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