Der Regenmacher

23. September 2004, 16:35
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Wahrscheinlich hat der anhaltende Regen den Finanzminister auf die Idee gebracht, dass man zwei Feiertage locker abschaffen könnte - von Helmut Spudich

Feiertag und Sonnenschein, was wär' das eine ohne das andere. Wahrscheinlich hat der anhaltende Regen den Finanzminister auf die Idee gebracht, dass man zwei Feiertage locker abschaffen könnte. Bei den feiertagverliebten Österreichern ist die Idee auf jeden Fall gleich ins Wasser gefallen. Egal ob Bischof oder Gewerkschafter, Oppositionspolitiker, Regierungsmitglied oder Wirtschaftskammerchef: Die 13 heimischen Feiertage bleiben heilig. Immerhin sind wir ja damit Weltspitze, knapp hinter Japan und der Slowakei (15) und deutlich vor dem katholischen Italien (11).

Hinter der wahrscheinlich höchst kurzlebigen Feiertagsdebatte steht das größere Thema um flexible Arbeitszeiten: Statt in Fünftage-, 38,5- oder 40-Stundenwochen zu rechnen, hätten Arbeitgeber lieber eine Rechnung in Jahresarbeitszeiten. Davon könnte man dann, etwa im Handel zur Weihnachtszeit oder in Betrieben bei guter Auftragslage, mehr abrufen, ohne teurere Überstunden zu bezahlen, während in schwächeren Saisonen eine nicht ausgelastete Belegschaft voll bezahlt wird.

Darüber kann man reden (man tut es längst, und viele Branchen und Betriebe haben solche Durchrechnungszeiten, wenn auch nicht über das ganze Jahr). Ohnedies arbeitet in einer Dienstleistungsgesellschaft eine zunehmende Zahl von Menschen dann, wenn andere frei haben. Im Gegenzug müsste es aber statt Monatslöhnen auch eine Vereinbarung über Jahresverdienste auf jetzigem Niveau geben. Denn die Rechnung der Arbeitgeber sieht so aus, dass sie mit der Flexibilisierung ein Ende der Zuschläge für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen oder am Abend erwarten - unterm Strich also ein geringeres Jahreseinkommen. Dagegen mutet selbst ein verregneter Feiertag wie ein Sonnentag an. (Helmut Spudich, Der Standard, Printausgabe, 16.07.2004)

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