Kopf des Tages: Max Strauß

16. Juli 2004, 20:17
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Der kranke Sohn eines einst mächtigen Vaters

Marianne und Franz Joseph Strauß waren so stolz auf ihn. Wenige Tage nachdem der kleine Max im Mai 1959 das Licht der Welt erblickt hatte, verschickte der Papa schon Fotos seines erstgeborenen Buben an die Granden der Bundesrepublik. "Danke für das reizende Bildchen", antwortete damals Bundeskanzler Konrad Adenauer: "Ich hoffe sehr, dass das Kind seinen Eltern nachschlägt."

Und Max bemühte sich redlich. Von klein auf blieb er, egal worum es ging, immer im Windschatten seines charismatischen Vaters, des bayerischen Ministerpräsidenten zwischen 1978 und 1988, CSU-Patriarchen und zeitweiligen Kanzleraspiranten. Der Vater redete vom Buben als "Diamanten", und dass er "Schliff" brauche.

Max absolvierte das Münchner Dante-Gymnasium und eine Banklehre. Schon mit siebzehn nahm ihn Vater Strauß zu Auslandsreisen mit, setzte ihn als Privatsekretär und Kofferträger ein. Der Pubertierende sah, wie sein Vater von Granden in Politik und Wirtschaft hofiert wurde und glaubte, das müsse so sein.

Nach dem Jusstudium heiratete Max, wurde selbst stolzer Vater zweier Töchter und trat in eine Anwaltskanzlei am noblen Münchner Wittelsbacherplatz ein. Max ging es bestens, er tanzte auf vielen Hochzeiten.

Er wurde seinem Vater immer ähnlicher: Der Körper füllig, die Backen rosig. Man entdeckte selbstgefällige Züge an ihm, seine aufbrausende Arroganz und Überheblichkeit wuchsen mit der Macht seines Vaters. Doch trotz aller Anstrengungen blieb Max stets nur eine mäßige Kopie von Franz Joseph, nie erreichte er dessen politisches Gespür.

Als der Vater 1988 völlig überraschend starb, verlor der Sohn den Überblick. Seine "Geschäfte" wuchsen ihm über den Kopf, die Justiz begann zu untersuchen, der Name Strauß schützte nicht mehr. Anklage wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung wurde erhoben, die Anwaltskosten verschlangen seinen Privatbesitz. Als sogar die elterliche Gruft gepfändet wurde, brach Max endgültig zusammen. Schwer depressiv und sediert mit Medikamenten ist er heute ein Wrack und vertraut nur noch Bruder Franz Georg und Schwester Monika Hohlmeier, der bayrischen Kultusministerin.

Im Plädoyer meinte Verteidiger Wolfgang Dingfelder: "Dem jungen Mann ist die eigenständige Entwicklung geraubt worden." Als alle Träume platzten, sei ein trotziger Max "unsympathisch dick und psychisch schwer krank" geworden.

Staatsanwalt Christoph Wiesner hielt entgegen: "Es gibt weiß Gott schwerere Schicksale, als Sohn eines bayerischen Ministerpräsidenten zu sein" - und setzte sich durch. Der Sohn wurde, noch nicht rechtskräftig, zu drei Jahren und drei Monaten unbedingter Haft verurteilt. (Gerhard Plott/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2004)

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