Konzern zahlt erstmals Geld

28. Juli 2004, 11:40
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Chodorkowski sieht sich als unschuldig - Steuerbehörden bestehen auf vollständiger Begleichung der Schuld

Moskau - Der russische Ölkonzern Yukos hat nach monatelangem Streit mit der Justiz erstmals Geld zur Begleichung der Steuernachforderungen in Milliardenhöhe gezahlt. Das gaben der Konzern und die russische Justiz unabhängig voneinander am Donnerstag in Moskau bekannt. Der frühere Konzernchef Michail Chodorkwoski bezeichnete sich vor Gericht als unschuldig in allen Anklagepunkten. Dem Yukos-Mehrheitseigner sowie dessen Geschäftspartner Platon Lebedjew werden unter anderem Betrug sowie Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt.

Der vor der Pleite stehende Ölkonzern hatte am Vortag angekündigt, im Juli gut eine Milliarde der ausstehenden 2,8 Mrd. Euro aus Barmitteln zu bezahlen. Die Höhe der gezahlten Teilsumme wurde zunächst nicht genannt. Die Steuerbehörden bestehen auf einer sofortigen vollständigen Begleichung der Schuld.

Unternehmensanteile eingefroren

Eine Woche nach Einleitung der Zwangsvollstreckung fror die russische Justiz unterdessen weitere Unternehmensanteile ein. In der fernöstlichen Provinz Tschukotka beschlagnahmte ein Gericht bis zum Donnerstag aus dem Yukos-Besitz 87 von insgesamt 92 Prozent am russischen Ölkonzern Sibneft.

Analysten vermuten hinter diesem Schritt den früheren Sibneft- Eigner und Gouverneur von Tschukotka, Roman Abramowitsch. Das Yukos- Management hatte in der Vergangenheit mehrfach angekündigt, die drohenden Steuernachforderungen in Höhe von insgesamt bis zu 10 Mrd. Euro unter anderem durch den Verkauf der Sibneft-Aktien zu begleichen. Bislang ist nur die Forderung für das Steuerjahr 2000 rechtskräftig.

Schicksal weiter unklar

Das Schicksal des exportstärksten russischen Ölproduzenten bleibt weiter unklar. Am Vorabend hatten Gerichtsvollzieher Anteile an den wichtigsten Yukos-Förderbetrieben an der Wolga und in Nordsibirien eingefroren. Analysten werten dies als bedrohliche Schritte. "Bislang aber wurde noch nichts unternommen, um die Produktion zu stoppen oder die Einheit des Unternehmens anzugreifen", hieß es bei der Investmentgesellschaft Renaissance Capital.

Im Vollstreckungsverfahren ist die Justiz bislang nicht dazu übergegangen, beschlagnahmte Unternehmensanteile zu veräußern, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Der von Kontensperrungen betroffene Yukos-Konzern hat nach eigenen Angaben nicht genügend Barmittel, um die Steuernachforderungen zu bezahlen.(APA/dpa)

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