Busek sieht sich nicht als Kandidat

26. Juli 2004, 14:34
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Ex-Vizekanzler hält im STANDARD-Gespräch wenig vom Ressort Entwicklungshilfe – Rohan für "Bürgerkommissar"

Wien – Das Kommissars-Kandidatenkarussell dreht sich weiter. Kanzler Wolfgang Schüssel will sich öffentlich weder auf Ressorts noch auf Kandidaten festlegen. Einer, der selber als Kandidat gehandelt wird, macht sich im STANDARD-Gespräch aber sehr wohl seine Gedanken: Ex-Vizekanzler Erhard Busek.

Seiner Meinung nach sollte sich Österreich um das Sicherheitsressort (für das VP-Innenminister Ernst Strasser als Kandidat kolportiert wird) bewerben. Busek: "Drogenschmuggel, Schlepperwesen, Wirtschaftskriminalität – das alles sind Themen, die unserer Region vertraut sind. Und ich sage gerne, dass der Innenminister in diesem Bereich sehr viel geleistet hat."

Für weit weniger attraktiv hält Busek jenes Ressort, das derzeit als Favorit gehandelt wird: die Entwicklungshilfe (Kandidatin: VP-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner). Busek: "In der Entwicklungshilfe sind wir selber nicht sehr eindrucksvoll, was die Mittel betrifft. Außerdem wird dieser Bereich sehr stark von jenen Länder bestimmt, die einmal Kolonien hatten. Die eigentliche Kraft der Entscheidung liegt im französischen, englischen Bereich." Wer immer das Ressort bekommt, wäre "stark marginalisiert", denn "von primärer Relevanz für die anstehenden Fragen in der EU ist dieses Ressort nicht".

Busek selbst fühlt sich "nicht als Kandidat". Es wäre sicher eine "ehrenvolle Berufung", aber alles Weitere "hängt vom Dossier und den Umständen" ab.

Eine neue Idee brachte Exgeneralsekretär im Außenamt, Albert Rohan, in den Kandidatenreigen ein. Weil "die Akzeptanz der EU durch ihre Bürger nicht funktioniert", solle doch ein Bürgerkommissar eingesetzt werden, meinte der ehemals höchste heimische Diplomat zum STANDARD. Und Benita Ferrero-Waldner wäre für diesen Posten "ganz besonders geeignet".

Diese Aufgabe würde "genau den Fähigkeiten der Außenministerin entsprechen, wie ihrem Kontakt mit den Menschen, dem Erklären von durchaus einfachen Dingen, die sonst nicht ankommen", so Rohan. Der Bürgerkommissar solle den Menschen in den Mitgliedsländern die EU näher bringen, Öffentlichkeitsarbeit leisten. (tó, plo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.7.2004)

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