Ruanda-Tribunal verurteilt Ex-Finanzminister zu lebenslanger Haft

17. Juli 2004, 17:04
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Ndindabahizi des Völkermordes für schuldig befunden

Arusha - Das Internationale Kriegsverbrechertribunal für Ruanda hat den ehemaligen Finanzminister des Landes, Emmanuel Ndindabahizi, für seine Rolle im Völkermord von 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der frühere Minister habe sich des Völkermords sowie zweier Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht, nämlich "Ausrottung" und Mord, urteilte das im benachbarten Tansania ansässige Gericht am Donnerstag.

Ndindabahizi sei 1994 mehrmals in seine Heimatprovinz Kibuye im Westen der Republik gereist und habe die Volksgruppe der Hutu aufgefordert, Angehörige der Tutsi-Minderheit zu töten. Zudem soll er Waffen geliefert, selbst Angriffe ausgeführt und Anweisungen zur Tötung gegeben haben.

Vor drei Jahren in Belgien gefasst

Die Verteidigung wies auf "Schwachstellen" in der Anklageschrift hin und zog die Glaubwürdigkeit mehrerer Zeugen in Zweifel. Ndindabahizi war vor drei Jahren in Belgien gefasst worden. In Ruanda wurden 1994 innerhalb von 100 Tagen bis zu eine Million Menschen getötet, wie die Regierung in Kigali schätzt.

In der tansanianischen Stadt Arusha werden nur die schwersten Verbrechen des Völkermords in Ruanda verhandelt. Den Großteil der unzähligen Täter und Mittäter urteilen staatliche Gerichte oder die eigens eingerichteten "Gacaca"-Dorfgerichte ab. (APA)

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