Attacken auf Armstrong programmiert

16. Juli 2004, 15:35
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In den Pyrenäen soll die Form des Titelvertei­digers genau unter die Lupe genommen werden - Totschnig freut sich auf die hohen Berge

Saint-Flour/Frankreich - Die Berge rufen - bei der Tour de France geben nach dem Aufwärmen am Mittwoch im Zentral-Massiv ab Freitag endgültig die Kletter-Spezialisten den Ton an. Auf den zwei Pyrenäen-Etappen am Freitag (erste Bergankunft in La Mongie) und Samstag (fünf Pässe und Bergankunft auf dem Plateau de Beille) wird eine erste Vorentscheidung bei der 61. Auflage fallen, Attacken auf den Fünffach-Sieger Lance Armstrong sind programmiert. Der Tiroler Georg Totschnig kommt nach den hektisch verlaufenen Flachetappen in sein liebstes Terrain, die Rampen der Pyrenäen-Pässe sollen ihm als Sprungbrett dienen auf dem Weg zum angepeilten Top-Ten-Platz.

Jede Menge Kletterei

Auf der zwölften Etappe (Freitag/199 km) stehen der Col d' Aspin (1.489 m) und der Schlussanstieg nach La Mongie (1.696 m), das sind insgesamt 27,5 km Kletterei, auf dem "Menuplan". Auf den 160 Kilometern bis zu den Bergen könnte durchaus eine Gruppe mit Außenseitern wegfahren. "Die Favoriten werden bis zum letzten Anstieg warten, nach La Mongie wird sicher mit Vollgas gefahren", sagte Totschnig, der mit seiner aktuellen Form sehr zufrieden ist. Auf dem Samstag-Abschnitt (217 km) warten dann sogar insgesamt 61 Bergauf-Kilometer, ehe die Profis auf weiteren 18 Kilometern zur Zielankunft in 1.747 Metern Höhe nochmals voll gefordert werden.

Diese Streckenführung könnte Totschnig liegen. "Es gibt viele Pässe vor dem Ziel, vielleicht ergibt sich die Möglichkeit, mit einer Gruppe wegzukommen", erklärte der Gerolsteiner-Kapitän. "Wenn es gut läuft, werde ich in die Offensive gehen, ich habe nichts zu verlieren." Als 37. hatte Totschnig nach der zehnten Etappe 3:14 Minuten Rückstand auf Armstrong, den Gesamt-Sechsten, und hat damit die Chance, in einer Ausreißergruppe unterzukommen, weil er keine unmittelbare Bedrohung für den Topfavoriten darstellte.

Ullrich, Hamilton, Heras

Einige Herausforderer wollen Armstrong das Leben schwer machen und dessen sechsten Rekord-Sieg verhindern. Neben Jan Ullrich zählen vor allem frühere US-Postal-Helfer zu ihnen, Tyler Hamilton (USA/Team Phonak) und Roberto Heras (ESP/Team Liberty Seguros), die Stärken und Schwächen des Texaners besonders gut kennen. "Wir müssen offensiv sein, wenn die Beine mitspielen, werde ich attackieren", kündigte Hamilton an, der einen psychischen Rückschlag erlebte, weil sein Hund ("Er war neun Jahre lang wie ein Kind für mich") eingeschläfert werden musste. Heras muss sich als schwächerer Zeitfahrer ohnehin auf seine Fähigkeiten als Kletterer verlassen. Der Spanier Iban Mayo hat bereits 5:27 Minuten auf Armstrong verloren, will aber in die Entscheidung eingreifen. "Ich kann wohl nicht mehr auf das Podium fahren, aber ein Schlüssel zum Tour-Sieg sein." (APA)

  • Armstrong wird sich hüten müssen - die Konkurrenz ist heiß.

    Armstrong wird sich hüten müssen - die Konkurrenz ist heiß.

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