BA-CA: Abkühlung der "boomenden Weltwirtschaft"

28. Juli 2004, 13:07
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2005 soll Dynamik abflachen - In Eurozone keine Boomphase in Sicht - Ausweg: Strukturreformen am Arbeitsmarkt

Wien - "Die gute Nachricht ist: Die Weltwirtschaft boomt zur Zeit." Allerdings sei der Höhepunkt des Zyklus bereits überschritten, nächstes Jahr drohe eine Abschwächung der globalen Wachstumsraten, sagte Bank Austria Creditanstalt (BA-CA)-Analyst Gerhard Winzer am Donnerstag vor Journalisten. Sowohl in den USA als auch in China, dem Wachstumsmotor Asiens, sollte demnach die Dynamik 2005 nachlassen, was auch stärkeren "Gegenwind" für die exportorientierte Eurozone bedeutet. Trotzdem sieht Winzer die US-Leitzinsen weiter steigen, wobei das Ausmaß vom künftigen US-Wachstum und der Inflationsentwicklung abhängen werde.

"Die Leitzinsen müssten jetzt schon bei 3 Prozent sein, wenn man vom Wirtschaftswachstum ausgeht", so der Leiter der BA-CA-Zins- und Währungsanalyse für USA, Westeuropa und Asien. Allerdings sieht er Risiken für die US-Wirtschaft, da diese von dem starken US-Konsum - beflügelt durch Schuldenaufbau wegen der tiefen Zinsen und Vermögenseffekte wie steigende Hauspreise - angetrieben werde. Daher erwartet Winzer, dass die US-Notenbank Fed nur "sehr vorsichtig" die Zinsschraube anziehen wird. Im August sollte eine weitere Erhöhung um 25 Basispunkte auf 1,50 Prozent anstehen, was aber noch immer expansives Niveau sei.

USA und Japan haben sich erholt

Zwei von drei Wirtschaftsregionen - nämlich die USA und Japan - hätten sich von der wirtschaftlichen Schwächephase nach dem Platzen der Aktienblase bereits erholt, "nur die Eurozone hinkt hinterher", so Winzer. Im Gegensatz zu den USA werde der Konsum in Europa durch die hohe Sparquote, ausgelöst durch den schwachen Arbeitsmarkt und der "Pensionslücke", gebremst. Daher hält der BA-CA-Analyst einen nachhaltigen, inlandsgetriebenen Aufschwung in Euroland nur bei einer Verbesserung am Arbeitsmarkt für möglich, denn "der Spielraum für die Eurozone ist wirklich klein geworden".

Zusätzliches Exportwachstum sei im Umfeld einer sich abschwächenden Weltkonjunktur kaum noch möglich, zudem habe die Europäische Zentralbank (EZB) die Chance auf weitere Zinssenkungen "verschlafen". Somit liegt für Winzer der Ausweg für die Eurozone auf der Hand: "Der Leidensdruck am Arbeitsmarkt in der Eurozone ist so groß geworden, dass man jetzt strukturelle Reformen angehen muss." Allerdings seien diese zunächst mit schmerzhaften Einschnitten verbunden, die das Wachstum bremsten. "Eine Boomphase in der Eurozone ist nicht absehbar aus meiner Sicht", folgert Winzer.

Im Zuge der erwarteten nachlassenden Dynamik der Weltkonjunktur erwarten die BA-CA-Experten eine Abschwächung der US-Dollars. Unternehmen sollten daher eine Absicherung bei einem Wechselkurs von 1,18 Dollar ins Auge fassen. Bei Veranlagungen sollten Euro-Anleihen mit Laufzeiten von bis zu sieben Jahren bevorzugt werden. In Osteuropa hält der Leiter des BA-CA Market Research, Peter Szopo, die Renditeniveaus der Lokalwährungen in Polen und Ungarn für interessant, wobei allerdings Währungsrisiken und hohe Volatilitäten die Attraktivität senkten. (APA)

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