SP-Moser: Ein Feiertag weniger kostet 5.000 Jobs

28. Juli 2004, 13:03
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Längere Arbeitszeit kostet 40.000 Jobs - Erhoffte Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch längere Arbeit für SP-Wirtschaftssprecher ein "Ammenmärchen"

Wien - Gar nichts von einer Verlängerung der Arbeitszeit hält SPÖ-Wirtschaftssprecher Hans Moser. Es sei ein "Ammenmärchen, dass längeres Arbeiten die Wettbewerbsfähigkeit verbessert", sagte der SP-Politiker heute, Donnerstag, vor Journalisten in Wien.

Vielmehr koste eine Verlängerung der Arbeitszeit um 1,5 (von 38,5 auf 40) Stunden pro Woche mindestens 40.000 Arbeitsplätze und somit Arbeitslosengeld 800 Mio. Euro. Das würde die Arbeitslosigkeit um 25 Prozent erhöhen und 0,3 Prozentpunkte mehr Defizit bedeuten.

Ähnliches gilt auch für die von Finanzminister Karl-Heinz Grasser los getretene Debatte über eine Streichung von Feiertagen. "Ein Tag kostet 5.000 Jobs", rechnete Moser heute vor. In seiner Musterrechnung multipliziert Moser 8 Stunden tägliche Arbeitszeit mit den 3 Millionen vollzeitbeschäftigten Österreichern und dividiert den Wert durch die durchschnittlich geleisteten 1.600 jährlichen Arbeitsstunden pro Person.

Vom Ergebnis (15.000) werde erfahrungsgemäß ein Drittel auf die Arbeitsplätze wirksam, schließt Moser aus dem umgekehrten Effekt der Arbeitszeitverkürzungen der 70-er Jahre. Entsprechende Simulationen von Wirtschaftsforschern liegen noch nicht vor.

"Schnitt ins eigene Fleisch"

"Eine Verlängerung der Arbeitszeit wäre ein Schnitt ins eigene Fleisch", warnt Moser. Denn in der Folge würde die durchschnittliche Kaufkraft und damit die Ausgaben der Konsumenten sinken - bei einer ohnehin schwachen Inlandsnachfrage.

Die längere Arbeitszeit von 66 Stunden oder anderthalb Wochen jährlich würde sich insbesondere auf die Tourismus- und Freizeit-Betriebe in Österreich auswirken, die ein Fünftel des heimischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwirtschaften. "Die Restaurants, die Kultur-, Sport- und Wellness-Einrichtungen im Urlaubs- und Freizeitland Österreich würden darunter leiden".

Moser konstatiert einen Mangel an Kreativität beim neuen Präsidenten der Industriellenvereinigung (IV), Veit Sorger, wenn er die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft über den Preis verbessern möchte. "Österreich kann als Hochlohn-Land nicht über den Preis, sondern nur über die Qualität gewinnen".

Innovation und Weiterbildung

Es gebe nämlich "keinen Zusammenhang zwischen längerer Arbeitszeit in einem Hochlohn-Land und steigender Produktivität". Vielmehr sei verstärkt in Produkt- und Verfahrensinnovationen sowie in die ständige Weiterbildung zu investieren, um dem Standort Österreich einen nachhaltigen Vorteil zu sichern. Kräftige Exportzuwächse bei den östlichen Nachbarländern würden diesen Qualitätsvorsprung verdeutlichen.

Die Produktivität sollte über "intelligente Arbeitszeit-Modelle" verbessert werden. "Zuerst müssen die bestehenden Kollektivverträge (KV) und Arbeitszeit-Gesetze ausgereizt werden", schlägt Moser vor.

So könnten etwa bestehende Durchrechnungszeiträume ausgenützt werden. Mitarbeiter könnten mit Anreizen auch zu freiwilligen Zusatzschichten motiviert werden. Heimischen Managern fehle oft die Kreativität, um Innovationen auch im Organisiationsbereich anzupacken. Die Bevölkerung sollte "nicht länger, sondern richtig arbeiten". (APA)

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