27 Prozent der Flüchtlingskinder akut mangelernährt

21. Juli 2004, 19:04
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Durchfallerkrankungen größtes Problem - Hunderttausende durch Cholera, Malaria und Ruhr bedroht - Rund 160 Mio. Euro für humanitäre Hilfe nötig

Wien/Khartum - Im Sudan leiden immer mehr Kinder an Hunger: Rund 27 Prozent der sudanesischen Flüchtlingskinder, die in der zentralafrikanischen Republik Tschad leben, sind mittlerweile akut mangelernährt, ergab eine Untersuchung von UNICEF und anderen Organisationen.

Bei den Kindern in improvisierten Camps liege die Rate inzwischen sogar bei fast 30 Prozent. Etwa drei Prozent der untersuchten Flüchtlingskinder waren so schwer mangelernährt, dass sie nur durch sofortige medizinische Hilfe überleben können.

Unzureichende Wasserversorgung

Die Hauptursachen dieser Entwicklung seien vor allem die unzureichende Wasserversorgung und die katastrophalen hygienischen Verhältnisse, berichtete UNICEF-Österreich in einer Aussendung am Donnerstag. Im Schnitt benötigten die Menschen drei Stunden, um ihre tägliche Mindestration an Trinkwasser zu beschaffen. Unter den Bedingungen falle es den Familien schwer, ein Minimum an Sauberkeit und Hygiene aufrecht zu erhalten, berichtete die Organisation. Die Folge sind schwere Durchfallerkrankungen, die zu einer schleichenden Auszehrung des Körpers führen.

Durchfall ist laut UNICEEF das Gesundheitsrisiko Nummer eins für die Kinder. Bei der Untersuchung von rund 900 Kindern zwischen sechs Monaten und fünf Jahren in drei Flüchtlingslagern im Grenzgebiet zum Sudan sowie in umliegenden Dörfern waren 59 Prozent in den vergangenen zwei Wochen an Durchfall erkrankt.

WHO warnt vor Gesundheitskatastrophe im Sudan

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Donnerstag vor einer möglichen Gesundheitskatastrophe gewarnt. "Wir müssen schnell handeln, um eine Gesundheitskatastrophe zu vermeiden", sagte WHO-Direktor Jong Wook zum Abschluss eines Besuchs in der betroffenen Region.

Das Überleben hunderttausender Menschen sei durch Cholera, Malaria und Ruhr bedroht. Um eine Katastrophe zu vermeiden, seien weitere finanzielle Mittel, Helfer und Hilfsgüter notwendig. Es fehle an sanitären Einrichtungen, sauberes Wasser sei knapp, die Menschen litten an Mangelernährung, sagte der WHO-Direktor in einer Aussendung. Die Vereinten Nationen (UNO) schätzen die Gesamtkosten für die humanitäre Hilfe in dem Krisengebiet auf 240 Millionen Dollar (rund 160 Mio. Euro). Die WHO benötige jeden Monat rund 1,2 Millionen Dollar (800 000 Euro). (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Einer der Helfer von Ärzte ohne Grenzen wiegt ein kleines Kind in einem Flüchtlingscamp in der Region Darfur.

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