Leitl: "Klares Nein"

15. Juli 2004, 17:25
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WKÖ-Präsident: "Feiertage sind mein geringstes Problem, Flexibilisierung hat absoluten Vorrang" - Politischer Kraftaufwand in keinem Verhältnis zum erzielbaren Ergebnis

Wien - Ein "klares Nein" zu einer möglichen Abschaffung von Feiertagen kommt heute auch von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. "Die Feiertage sind mein geringstes Problem", meint Leitl, "der notwendige politische Kraftaufwand, um zwei Feiertage wegzubekommen, steht in keinem Verhältnis zum erzielbaren Ergebnis einer höheren Produktivität."

Das Thema sei in Österreich sehr emotionell besetzt, Feiertage und Sonntage gehörten in Österreich zur Lebenskultur der Bevölkerung. "Das ist daher entsprechend zu berücksichtigen", stellte Leitl am Donnerstag fest.

Kernkompetenzen der Sozialpartner

Leitl betont, dass Arbeitszeitregelungen zu den Kernkompetenzen der Sozialpartner gehören. "Wir führen hier Gespräche mit der Arbeitnehmerseite, wie wir die Arbeitszeit sowohl auf gesetzlicher wie auf Betriebsebene flexibler handhaben können". Zugleich würden auf Kollektivvertragsebene ab Herbst entsprechende Optimierungen der Arbeitszeit auf Branchenebene verhandelt.

Für die Wirtschaft sei in der aktuellen Debatte um notwendigen Optimierungen bei der Arbeitszeit Flexibilität am wichtigsten. "Die Betriebe brauchen bei der Arbeitszeit eine größtmögliche Flexibilität. Das ist der wertvollste Beitrag, um ihre Produktivität und damit Konkurrenzfähigkeit im härteren globalen Wettbewerb zu verbessern", so der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in einer Pressemitteilung.

"Unkoordinierte Mischung an Vorschlägen"

Leitl warnt davor, mit allen möglichen öffentlich präsentierten Ideen die Bevölkerung zu verunsichern: "Derzeit gibt es bei der Arbeitszeit eine kunterbunte unkoordinierte Mischung an Vorschlägen".

Ein Blick auf die deutsche Reformdebatte zeige, dass jeden Tag eine neue Idee zu präsentieren nur die allgemeine Verwirrung und Reformunwilligkeit steigen lasse. Er wolle in Österreich jedenfalls nicht in eine Situation kommen, wo Verunsicherung das Land präge. "Ich vertrete eine klare Linie: Arbeitszeit-Flexibilisierung hat absoluten Vorrang", so Leitl.

Normalarbeitszeit von acht bis zehn Stunden

Die derzeitigen gesetzlichen Arbeitszeitregelungen seien aus Sicht der Betriebe unübersichtlich und entsprechen auch nicht den Anforderungen der modernen Arbeitswelt. Daher fordere die Wirtschaftskammer, dass im Arbeitszeitgesetz unter grundsätzlicher Beibehaltung der wöchentlichen Normalarbeitszeit von 40 Stunden die tägliche Normalarbeitszeit von 8 auf 10 Stunden angehoben wird.

Die tägliche Höchstarbeitszeit soll auf 12 Stunden steigen. Innerhalb des Durchrechnungszeitraumes von 52 Wochen soll aber die wöchentliche Normalarbeitszeit - die gesetzliche 40-Stunden-Woche - erreicht werden.

Moderne und flexiblere Arbeitszeitgestaltung

Nicht zuletzt soll eine Reform des Arbeitszeitgesetzes eine moderne und flexiblere Arbeitszeitgestaltung auch auf betrieblicher Ebene ermöglichen. "Mit diesen Maßnahmen können wir den Anforderungen des stärkeren Wettbewerbs gerecht werden, weil dadurch den speziellen Anforderungen von Saisonbetrieben und Auftragsschwankungen besser Rechnung getragen wird", so Leitl.

Und das sei sowohl im Interesse der Betriebe als auch der dort beschäftigten Menschen. "Ich bin überzeugt, dass unsere Mitarbeiter für solche Vorschläge aufgeschlossen sind und mitgehen, was bei einer reinen Diskussion um die Abschaffung von Feiertagen wohl nicht der Fall wäre", meint der Kammer-Präsident.

Eine von SPÖ-Wirtschaftsvertretungs-Seite geforderte weitere Verkürzung der Arbeitszeit lehnt er jedenfalls strikt ab: "Wer so etwas fordert, ist klar auf dem falschen Dampfer. Das schädigt vor allem Kleinbetriebe und gefährdet Arbeitsplätze, stärkt sie aber nicht." (APA)

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