"Saliera"-Hochstapelei kommt vor Gericht

16. Juli 2004, 12:47
posten

Ein bedingt verhandlungsfähiger Wiener hatte Direktor Seipel nach Italien gelostst

Wien - Für Interpol zählt die am 11. Mai 2003 aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM) entwendete "Saliera" zu den weltweit zehn meist gesuchten Kunstobjekten. Ein 42-jähriger Wiener nützte das Interesse am Wiederauftauchen des verschwundenen Salzfasses und gaukelte KHM-Direktor Wilfried Seipel vor, die "Saliera" wiederbeschaffen zu können. Am Freitag, 16.7., muss sich der Mann deswegen im Wiener Landesgericht verantworten. Der Staatsanwalt legt ihm versuchten schweren Betrug zur Last.

Italien-Trip

Demnach soll der Mann Anfang Mai 2004 Seipel aufgesucht und diesem nicht ganz unentgeltlich seine Hilfe angeboten haben. Ein alter Bekannter aus dem Gefängnis - der 42-Jährige ist wegen Betrugs vorbestraft - habe die "Saliera" im Auftrag von Italienern gestohlen. Er könne sie dank entsprechender Kontakte "zurückholen".

Seipel stieg auf das Angebot ein. Der Museumsdirektor wurde bis nach Italien gelotst, ehe er erfuhr, das Salzfass sei angeblich wieder Wien. Die in Aussicht gestellte Übergabe in einem Hotel kam aber nie zu Stande. Der mutmaßliche Hochstapler muss nun auch wegen Verleumdung gerade stehen: Der von ihm als Dieb bezeichnete Mann sitzt in Wahrheit noch immer in Haft.

Bis zuletzt war unsicher, ob der Beschuldigte überhaupt verhandlungsfähig ist und die Verhandlung daher stattfinden kann. Er ist schwer kranker Dialyse-Patient. Der Verteidiger Ronald Rast gab am Donnerstag allerdings bekannt: "Das Verfahren findet statt. Die Rettung holt ihn morgen um 8.00 Uhr ab, er wird sich dem Prozess stellen." Ein ärztliches Gutachten soll dem 42-Jährigen dem Vernehmen nach jedoch Haftunfähigkeit bescheinigen. (APA)

Share if you care.