Grazer "Kunsthaus-Haut" pixelt wieder

20. Juli 2004, 12:16
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Projekte von Architekturstudenten: Lichtkunstwerke, die mit Besuchern, Passanten und Gebäudedaten interagieren

Graz - Neue Lichtformationen sind an den kommenden Sommerwochenenden an der Plexiglasfassade des Grazer Kunsthauses zu sehen. Studierende des Instituts für Architektur und Medien an der Technischen Universität (TU) Graz haben fünf Medienprojekte entworfen, die die Leuchtobjekte der rund 900 Quadratmeter großen, so genannten BIX-Fassade interaktiv auf beispielsweise Besucherströme, Passanten und Gebäudedaten reagieren lassen.

Die dem Murufer zugewandte Fassade, die BIX-Medienfassade, ist ein Charakteristikum des Grazer Kunsthauses. Nach einem Konzept der Berliner Gruppe realities:united sind unter der blauen Plexiglashaut dieser Gebäudeseite rund 1.000 kreisförmige Leuchtstoffröhren integriert, die die Gebäudehaut in einen quasi niedrig auflösenden Bildschirm von urbaner Größe verwandeln. Jeder Lichtring fungiert dabei als Pixel, der von einem Rechner aus angesteuert und sogar in seinem Lichtwert gedimmt werden kann. So besteht die Möglichkeit, einfache Zeichen sowie Grafiken bis hin zu groben Animationen in den Außenraum zu projizieren.

Vorgänge indirekt vermitteln

"Aus unserer Sicht ist die BIX-Fassade kein übergroßer Fernsehapparat oder ein Display mit zu geringer Auflösung", meint hingegen Christian Fröhlich, Assistent am Grazer TU-Institut. "Wir verstehen die BIX als einen integralen Bestandteil des Gebäudes, der die Kommunikation des Innen - des Museums - mit dem Außen der Stadt herstellt", so Fröhlich. Unter seiner Leitung haben die Studierenden die Visualisierungen, die ab dem 16. Juli jeweils freitags bis sonntags zu sehen sein werden, erstellt.

Allen Projekten ist der Versuch gemeinsam, dem Betrachter diverse Vorgänge in und um das Kunsthaus indirekt zu vermitteln: So setzen drei der fünf Projekte Kameras als Sensoren ein, die die unmittelbare Umgebung des Gebäudes visuell vermessen und jede Veränderung - sei es durch Besucher, Flaneure oder den vorbeifließenden Verkehr - sofort auf der Fassade wiedergeben. "Das heißt, jeder, der sich während der Sommermonate am Wochenende abends in der Nähe des Gebäudes befindet, verändert durch seine Bewegung direkt das Fassadenbild", so Fröhlich. Die fünf Projekte werden jeweils in zufälliger Reihenfolge im Rhythmus von wenigen Minuten abgerufen.

Bei der Eröffnung des Kunsthauses im Herbst 2003 war ein "Fassadenprogramm" von realities: united zu sehen. Danach zeigte die Fassade nach der Idee des Künstlers Thomas Baumann musikalisch rhythmisierte, abstrakte Bildformen und Texte aus dem Katalog einer laufenden Ausstellung. (APA)

Die nächsten Lichttermine: 16. bis 18. Juli, 23. bis 25. Juli und 30 Juli bis 1. August jeweils ab 21 Uhr, Kunsthaus Graz, Lendkai 1, 8020 Graz
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