Stammzell-Transplantation: Eiweiße warnen vor Komplikation

23. Juli 2004, 12:05
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Neue Methode der Medizinischen Hochschule Hannover ersetzt Gewebeentnahme

Hannover - Forscher von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und von der mosaiques diagnostics and therapeutics AG haben eine Methode entwickelt, die oft auftretenden Komplikationen nach einer Stammzell-Transplantation frühzeitig zu erkennen. Bei diesen Komplikationen handelt es sich um akute Reaktionen der verpflanzten Zellen gegen den Wirt (Graft-versus-Host-Disease, GvHD). Von der neuen Technik, bei der die Gefahren durch ein komplexes Muster von Eiweißmolekülen (Polypeptiden) erkannt werden können, versprechen sich die Wissenschaftler die Chance, früher einzugreifen und die Patienten eher vor der GvHD zu bewahren.

Stammzell-Transplantationen werden vielfach in der Krebstherapie eingesetzt. Eine Hochdosis-Chemotherapie vernichtet zunächst alle Zellen, die sich schnell teilen - vor allem die Krebszellen, aber auch Stammzellen im Knochenmark, die den Nachschub für die Zellen in Blut und Immunsystem darstellen. Dadurch entsteht die Notwendigkeit einer Stammzellspende, meist von einem Fremdspender, der die gleichen Gewebemerkmale aufweist wie der Empfänger. Trotz eines Abgleichs entwickeln 70 Prozent der Patienten nach einer solchen Stammzell-Transplantation eine Reaktion: Verpflanzte Zellen identifizieren den neuen Wirt als Fremden und es kommt zu einer GvHD.

Hautrötungen, Durchfall und Leberenzyme

Bisher war diese Reaktion lediglich klinisch zu vermuten, die Symptome reichen von Hautrötungen und Durchfall bis zu erhöhten Leberenzymen im Blut. Nur eine Gewebeentnahme (Biopsie) konnte das Vorliegen einer GvHD bestätigen. Das Forscherkollektiv aus Hannover hat es geschafft, mittels zweier gekoppelter Analysemethoden - der Kapillar-Elektrophorese und der Massenspektrometrie - und mit einer speziellen Software relativ schnell mehr als 1.000 Polypeptide aus Blut oder Urin zu bestimmen.

Diese Methode findet bereits Einsatz bei der Erkennung chronischer Nierenerkrankungen, wobei eine einfache Urinprobe den operativen Eingriff einer Nierenbiopsie ersetzt. "Vor allem ein Muster aus 29 Polypeptiden zeigt eine GvHD besonders deutlich an. Sie sind nicht erhöht bei Gesunden oder bei Patienten mit einer Blutvergiftung (Sepsis), die ähnliche klinische Symptome wie die GvHD aufweist", erklärt Eva Weissinger von der MHH-Abteilung Hämatologie, Hämostaseologie und Onkologie. "Die Eiweißmoleküle könnten in Zukunft als früher Marker dienen und ermöglichen es damit, eine Transplantat-gegen-Wirt-Reation einzudämmen oder ganz zu verhindern." (pte)

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