Diskussion um "geschlechtsneutrale" Verkehrsschilder hält an

19. Juli 2004, 11:12
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Auch die Kärntner SPÖ-Frauen wollen zukünftig Gender Mainstreaming sehen

Linz/Klagenfurt - "Geschlechtsneutrale" Verkehrsschilder forderten am Freitag auch die Kärntner SPÖ-Frauen. "Uns geht es nicht darum bestehende Schilder zu ändern, das wäre wenig sinnvoll, es muss aber möglich sein bei der Aufstellung neuer Verkehrsschilder Frauen und Männer gleichermaßen zu berücksichtigen", forderte die Landesfrauenvorsitzende der Kärntner Sozialdemokraten, LAbg. Sieglinde Trannacher. Villach gehe mit gutem Beispiel voran, die Realisierung solle aber in ganz Kärnten stattfinden, so Trannacher in einer Aussendung.

"Gender Mainstreaming darf kein Papierbegriff bleiben, sondern sollte uns im Alltag begleiten, daher ist es vor allem notwendig, Frauen sichtbar zu machen. Sprache und Symbole wie Verkehrsschilder sind da eine gute Möglichkeit", erklärte die Kärntner SP-Frauenchefin.

Die Kritik einiger - vorwiegend männlicher - KollegInnen die Forderung nach geschlechtsneutralen Verkehrsschildern sei übertrieben, hält Trannacher für zu bequem. "Umdenken ist nicht bequem aber notwendig, darüber sollten sich viele Männer und Frauen im Klaren sein", erklärt Trannacher. Über die negativen Aussagen des Kärntner Verkehrsreferenten Gerhard Dörfler zeigt sich Trannacher wenig überrascht. "Ich möchte solche sexistischen Aussagen aber gar nicht kommentieren", hält Trannacher fest.

Unterstützung von der Frauen-Landesrätin in OÖ

Am Donnerstag hatte der Linzer Mobilitätsstadtrat Jürgen Himmelbauer von Frauen-Landesrätin Silvia Stöger Unterstützung für eine geschlechtsneutrale Beschriftung von Verkehrszeichen erhalten. Die Landesrätin hielt diese Maßnahme in einer Aussendung auf keinen Fall für überzogen. "Vorausgesetzt, das "Binnen-I" wird nur bei neuen Verkehrzeichen angebracht und es entstehen dadurch keine zusätzlichen Kosten", betonte Stöger.

Instrument gesellschaftspolitischen Handelns

Die Diskussion rund um die geschlechtsneutralen Verkehrszeichen wirke befruchtend und könne dazu anregen, das Bewusstsein für Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu schärfen, meinte die Frauen-Landesrätin. Zudem gehe die Verwendung des "Binnen-I" auf Verkehrsschildern weit über die eigentliche sprachliche Bedeutung hinaus, die Formulierung stelle auch ein Instrument gesellschaftspolitischen Handelns dar, indem sie zwischen den Geschlechtern vermittelt.

Gorbach hält es für "übertrieben"

Besonders enttäuscht zeigte sich Stöger in diesem Zusammenhang von den Aussagen des Verkehrsministers, der die Maßnahmen dem ORF gegenüber als "übertrieben" bezeichnete und ins Lächerliche zog: Gorbach denke nicht daran, Herrenräder in Damenräder oder über die Straße springende Hirsche in Hirschkühe umzuwandeln - die ÖsterreicherInnen hätten andere Sorgen, berichtet der ORF Oberösterreich. Hubert Gorbach sei immerhin Regierungsmitglied einer Partei, deren Vorsitzende Ursula Haubner Frauen-Landesrätin in Oberösterreich war, so Stöger dazu. "Mich würde es auf jeden Fall freuen, wenn in Linz bzw. in ganz Oberösterreich in Zukunft das Verkehrszeichen "RadfahrerInnen" öfter zu sehen sein wird", bekräftigte die Frauen-Landesrätin. (red)

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