Afrika: Der Epidemie Herr werden

21. Juli 2004, 12:19
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Viele kleine Initiativen verzeichnen Erfolge, werden aber nie im großen Maßstab umgesetzt

Bangkok - In Afrika gibt es viele erfolgreiche Initiativen, um die verheerende Aidsepidemie zu stoppen. "Weil diese aber nie in großem Maßstab umgesetzt werden, bleibt die Zukunft des Kontinents düster", sagte Stephen Lewis, der Sondergesandte von UN-Generalsekretär Kofi Annan für Afrika.

In der Zentralklinik von Kigali in Ruanda zum Beispiel würden HIV-infizierte Frauen von einer italienischen Hilfsorganisation ausführlich beraten. 90 Prozent von ihnen erhielten daraufhin Medikamente, besonders Schwangere, um die Übertragung des Virus auf die Kinder zu verhindern. "Das ist ein wundervolles Beispiel: Die Kinder kommen ohne das Virus zur Welt, die Mütter bleiben dank der Behandlung am Leben und auch ihre Partner bekommen Hilfe", sagte Lewis.

Internat für Waisenmädchen

In Sambia gebe es ein Internat für Waisenmädchen von 15 bis 18 Jahren, in dem diese für ein Jahr bleiben können. "In den ersten zwei Monaten wird das Trauma durch den Verlust der Eltern behandelt. Dann formen die Helfer über zwei Monate eine Gruppe aus den Mädchen, um sie anschließend für 5 oder 6 Monate zu unterrichten." Danach könnten sie weben oder in der Landwirtschaft arbeiten - und seien auch selbstbewusster im Umgang mit Männern, die zum Beispiel Sex ohne Kondome verlangten.

Sein drittes Beispiel ist das von den UN unterstützte Projekt "Community Conversation" in einer ländlichen Region Äthiopiens. "Unter umsichtiger Anleitung diskutieren dort muslimische Gemeinschaften vieles von dem, was vorher ein Tabu war", sagte der ehemalige UN-Botschafter Kanadas. 200 oder 300 Menschen säßen dann zusammen und redeten über Polygamie, Gewalt gegen Frauen, sexuelle Gewalt, Bevormundung in vielen Varianten oder Kondome.

"Ich habe selbst gesehen, dass 15 bis 16 Jahre alte Mädchen danach zu den Ältesten sagten: "Wir wissen nun um die Rechte der Frauen." Erstaunlich, was möglich ist, wenn man die Leute auf diese Weise zusammenbringt", sagte Lewis. Afrika sei voller solcher exzellenten Beispiele. "Das Problem ist nur, dass sie nirgendwo in großem Maßstab umgesetzt werden." (Apa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Aktivist verziert eine Pharmafabrik am Rande der Internationalen Aids Konferenz in Bankok mit einem "Graffiti".

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