Mindestens 13 Tote bei zwei Autobombenanschlägen

17. Juli 2004, 18:53
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Sieben Polizisten unter den Opfern - Ölleitungen im Visier der Aufständischen - Bush will weitere Amtszeit um "Arbeit" im Irak abzuschließen

Bagdad - Im Irak reißt die Serie von Anschlägen nicht ab. Bei einer Autobombenexplosion vor einer Polizeiwache in der Stadt Haditha sind am Donnerstag mindestens zehn Menschen, darunter mehrere Polizisten, ums Leben gekommen, 27 weitere wurden nach Informationen des arabischen TV-Nachrichtensenders Al Jazeera verletzt. In der Stadt nordwestlich von Bagdad wurden nach Angaben von Augenzeugen außer dem Polizeigebäude auch eine Bank und das Rathaus beschädigt. Anschläge wurden auch auf Ölpipelines im Norden und Süden des Landes verübt.

Nach einem Granatenangriff auf eine US-Militärpatrouille in Bagdad wurden unterdessen Augenzeugenberichten zufolge zwei irakische Zivilisten verletzt. Die Passanten seien verwundet worden, als die zuvor angegriffenen US-Soldaten mit Schnellfeuerwaffen um sich schossen, berichteten Anrainer.

Der Chef des Sicherheitsdienstes des irakischen Außenministeriums ist am Donnerstag von unbekannten Angreifern erschossen worden.

Kerbala: Autobombe explodiert

In der schiitischen Pilgerstadt Kerbala detonierte eine Autobombe in der Nähe des Hauptquartiers der bulgarischen Truppen. Drei Insassen sprengten sich nach Augenzeugenberichten mit dem Wagen in die Luft. Wie ein Polizeisprecher berichtete, hatten Polizisten die Männer verfolgt. Wenige Stunden nach dem Zwischenfall demonstrierten rund 1000 Menschen gegen den Terrorismus. Außerdem forderten sie die Todesstrafe für Ex-Staatschef Saddam Hussein.

Ölexport in die Türkei unterbrochen

Nach dem Anschlag von Saboteuren auf eine wichtige Ölpipeline im Norden des Landes ist am Donnerstag der Ölexport in die Türkei unterbrochen worden. Das teilte ein Ingenieur der irakischen Ölgesellschaft North Oil Company mit. Aufständische hatten einen Teil der Pipeline in die Luft gesprengt. Über der Gegend hing dichter schwarzer Rauch.

Die zwei Pipelines im Süden waren in den vergangenen Wochen wiederholt Ziel von Sabotageakten. Ministerpräsident Iyad Allawi bezifferte die entgangenen Einnahmen auf rund eine Milliarde Dollar.

Raketeneinschlag in Kirkuk: Vier Tote

Beim Einschlag einer Rakete wurden am Donnerstag in der nordirakischen Stadt Kirkuk vier Menschen getötet und drei weitere verletzt. Das Geschoss ging am Morgen auf ein Wohnhaus nieder, wie Polizei und Krankenhausmitarbeiter mitteilten. Zunächst war nicht klar, welches Ziel die Angreifer treffen wollten.

Saudiarabische Firma will Aktivitäten im Irak einstellen, um Mitarbeiter zu retten

Zur Rettung eines im Irak entführten Mitarbeiters will ein saudiarabisches Unternehmen seine Aktivitäten in dem Land einstellen. Seine Firma werde die Arbeit stoppen, um das Leben der Geisel zu retten, kündigte Unternehmenschef Faisal al Nahit im Fernsehsender Al Jazeera an. Der entführte Mitarbeiter, ein Ägypter, war als Fahrer beschäftigt. Eine Gruppe, die sich selbst "Legitimer Irakischer Widerstand" nennt, forderte am Mittwoch einen Rückzug des saudiarabischen Unternehmens aus dem Irak binnen 72 Stunden.

Bush: Brauche weitere Amtszeit um "Arbeit" im Irak abzuschließen

US-Präsident George W. Bush braucht nach eigenen Worten eine zweite vierjährige Amtszeit, um die "Arbeit" im Irak und in Afghanistan "zum Abschluss bringen" zu können. "Ich brauche vier weitere Jahre, um die Arbeit zu beenden. Es gibt noch viel zu tun, damit Amerika sicherer wird", erklärte Bush am Mittwoch (Ortszeit) bei einem Wahlkampfauftritt in Fond-du-Lac im US-Staat Wisconsin. In seiner ersten Amtszeit habe sich vieles zum Besseren gewendet, meinte der Präsident. Der "Diktator im Irak", der für die "freie Welt, sein Volk und seine Nachbarn" eine Gefahr gewesen sei, sei nicht länger eine "Bedrohung". Dennoch sei die Arbeit zur Schaffung von Demokratie im Irak und in Afghanistan noch nicht vollendet. "Gebt mir vier Jahre mehr, und die Vereinigten Staaten werden sicherer, besser und stärker sein", forderte Bush seine Landsleute auf.

Tschechien wird sein militärisches Engagement im Irak am 31. Dezember beenden. Das Mandat von rund 100 Militärpolizisten laufe dann aus und werde nicht verlängert, sagte ein Mitarbeiter von Verteidigungsminister Miroslav Kostelka am Donnerstag in Prag. Kostelka hatte unlängst gefordert, Tschechien solle sich aus dem Irak zurück ziehen und sich statt dessen auf seine Aufgaben im Kosovo und in Afghanistan konzentrieren. (APA/AP/dpa)

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