Mehr als Gyros, Ouzo und Sirtaki

20. Mai 2005, 10:12
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Ärgerlich werden die Griechen nur, wenn man sie auf die Klischees reduziert

Auf Schritt und Tritt ein Museum oder eine historische Stätte der Antike. Strahlende Mittelmeersonne, tiefblaues Meer und weiß gestrichene Häuser. Eine endlose Gebirgslandschaft mit dem Sagen umwobenen Olymp, die Inselwelt des Ägäis-Archipels und des Ionischen Meeres, eine Großstadt mit großem historischen Gewicht. Elf Millionen Einwohner mit der Mentalität, das Heute zu genießen und selten langfristig zu planen. Das ist Griechenland, das Ursprungsland der Olympischen Spiele.

Wenn die Spiele der Neuzeit zum zweiten Mal nach ihrer Premiere 1896 nach Athen kommen, werden ihre Besucher aber auch ein Griechenland erleben, das nicht im Reisekatalog zu finden ist. Die Griechen sind selbstbewusst geworden, sie fühlen sich immer sicherer im von Krisen erschütterten äußersten Südosten Europas.

In der Rangliste des Wohlstands ist das Land in den vergangenen 40 Jahren von Platz 65 auf Platz 13 geklettert. Es verfügt über eine der größten Handelsflotten der Welt. Sein Tourismus hat trotz einiger Schwankungen wegen der international ungünstigen Lage gute Aussichten. Niemand wandert mehr aus. Im Gegenteil: Viele Auslandsgriechen kehren nach Jahrzehnten wieder heim. Und rund eine Million Einwanderer aus aller Herren Länder haben im einzigen EU-Land Südosteuropas in den vergangenen zehn Jahren einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden.

Die lange vorgetragene Kritik an den Verspätungen bei der Olympia-Vorbereitung haben die Durchschnittsbürger zwar zur Kenntnis genommen, aber als übertrieben charakterisiert und mit stoischer Ruhe kommentiert. "Diejenigen, die den Teufel an die Wand malen, haben offenbar nichts von dem gehört, was unsere Philosophen vor rund 2500 Jahren gesagt haben: Man soll arbeiten um zu leben und nicht leben um zu arbeiten", schrieb ein Kioskbesitzer im Zentrum Athens den Kritikern ins Stammbuch und machte deutlich, dass auch jeder moderne Grieche etwas von den großen Vorfahren wie Aristoteles, Sokrates oder Plato in sich trägt.

Ärger erregt vielmehr, was im Ausland als typisches Griechenland-Bild gezeichnet wird: Ouzo, Retsina, Sirtaki und Gyros. "Das ist nicht Griechenland", betont ein Volksschullehrer, "Griechenland ist ein einsamer Strand auf einer den Touristen unbekannten Ägäisinsel, wo ich mich entspannen kann, weil alles ursprünglich und nicht künstlich ist. Es ist eine Fahrt auf die Berge im Nordosten im tiefsten Winter, wo es keinen Verkehr gibt, rund herum Schnee liegt und die Luft rein ist. Und es ist eine kleine Taverne mitten drin im Häusermeer von Athen." Eine kleine Trinkregel gibt er gratis dazu: "Ouzo trinkt man nicht nach dem Essen. Gegen diese Regel verstoßen viele ahnungslose Besucher. Und das ist eine Sünde." (apa/red)

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    Alexis Zorba beim Tanzen

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