Vor 25 Jahren siegte Revolution über Diktatur

24. Mai 2005, 11:18
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Sandinisten beendeten 1979 die 43-jährige Herrschaft des Somoza-Clans

Managua - Vor 25 Jahren - am 19. Juli 1979 - siegte die linke Revolution gegen die rechte Diktatur in Nicaragua. Vor einem Vierteljahrhundert zogen Kämpfer der Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront ("Frente Sandinista para la Liberacion Nacional"/FSLN) in die Hauptstadt Managua ein und beendeten die 43-jährige Herrschaft der Familie des korrupten Diktators Anastasio Somoza Debayle, der nach Florida flüchtete.

Die USA, die das 1821 von Spanien unabhängig gewordene Land von 1912 bis 1933 militärisch besetzt hatten, unterstützten nach der Regierungsübernahme von Ronald Reagan 1981 nicaraguanische Konterrevolutionäre ("Contras"), um das sandinistische Experiment zu ersticken, das mit dem demokratischen Machtwechsel 1990 endete. Der Contra-Krieg sollte 50.000 Todesopfer fordern.

Sieg der Revolution

Zwei Dekaden nach der Machtergreifung Fidel Castros in Kuba triumphierte 1979 die Revolution ein weiteres Mal in Lateinamerika. Dort hatte in den siebziger Jahren mit dem Putsch gegen Salvador Allende in Chile eine Ära der Militärdiktaturen begonnen, die das gesamte Spektrum der sozialen Bewegungen durch offenen Staatsterrorismus zerschlugen, wie Martina Kaller-Dietrich, Historikerin der Universität Wien, schreibt.

Die 1961 gegründete FSLN, die sich auf den 1934 ermordeten Unabhängigkeitskämpfer Augusto Cesar Sandino berief, war ein Sammelbecken, das vom revolutionären Marxismus über die Fokustheorie des Befreiungskampfes des Ernesto "Che" Guevara (1926-1967) bis hin zu reformorientierten Strömungen alles abdeckte.

Drei Fraktionen der FSLN

Im Dezember 1974 führten die Geiselnahme von hohen Vertretern des Somoza-Regimes während eines Botschaftsempfangs, die erfolgreich erpresste Freilassung von Gefangenen und von fünf Millionen US-Dollar durch FSLN-Kämpfer zu schweren Repressionen der Exekutive. Diese begünstigten die vorübergehende Aufspaltung der FSLN in drei Fraktionen: die "proletarische Tendenz" (Tendencia Proletaria) unter Jaime Wheelock, die "Tendenz des verlängerten Volkskrieges" (Guerra Popular Prolongada) unter Romas Borge und die "Aufstands-Tendenz" (Tendencia Insurreccional bzw. Terceristas) unter Daniel Ortega und seinen Bruder Humberto.

Generalstreik

Die Terceristas agierten pragmatisch und ideologisch flexibel und schmiedeten breite Bündnisse, denen es gelang, die Anknüpfung an die Kirche und die verschiedenen christlichen Basisinitiativen zu erreichen. Die Brüder Ortega gründeten 1977 die "Gruppe der Zwölf", die versuchte, das liberale Bürgertum zu gewinnen. Im Jänner 1978 wurde die Führungsfigur der bürgerlichen Opposition, der Verleger Pedro Joaquin Chamorro, ermordet. Daraufhin traten zunächst Unternehmer in den Ausstand. Es folgte ein Generalstreik, der auch von den unterprivilegierten Klassen mitgetragen wurde.

Blutige Niederschlagung

Im Februar 1978 wurde in Monimbó - einem indianischen Stadtteil Masayas - der erste Massenaufstand blutig niedergeschlagen; ein halbes Jahr später folgte der "Septemberaufstand", die Regierungstruppen eroberten mit Luftangriffen, Artillerie und Terrormaßnahmen sechs Städte zurück. Im Mai 1979 weitete sich der bewaffnete Kampf aus, begleitet von Volksaufständen und Generalstreiks. In den Kämpfen, die bis zum 19. Juli andauerten, starben insgesamt 15.000 Menschen.

Regierungsjunta

Auf die Diktatur folgte eine Regierungsjunta, der auch Vertreter bürgerlicher Parteien angehörten, wie die Chamorro-Witwe und spätere Staatspräsidentin Violeta Barrios de Chamorro, unter der sich später die Opposition formierte. Auch versuchten die im Zuge der Revolution entstandenen Massenorganisationen - darunter bäuerliche, genossenschaftliche und kirchliche -, ihre Autonomie zu bewahren, schreibt Kaller-Dietrich. Ausländische Idealisten und Helfer strömten ins Land, sie bauten Schulen, bekämpften das Analphabetentum und arbeiteten in der Kaffee-Ernte.

Ortega räumte grobe Fehler ein

Erst kürzlich hat Ex-Präsident Daniel Ortega - heute Oppositionsführer - grobe Fehler der FSLN während ihrer Regierungszeit zwischen 1979 und 1990 eingeräumt. Dazu gehörte eine katastrophale Wirtschaftspolitik, die das Land ins Chaos stürzte. In einem dpa-Gespräch kommentierte der Ökonom Nestor Avendano: "Ich möchte das nicht als Planwirtschaft, sondern als totale Desorganisation bezeichnen. Und die Regierung drangsalierte die Privatunternehmer, von denen viele das Land verließen."

Von den sozialpolitischen Erfolgen der Sandinisten sei nicht viel geblieben, meint Avendano. Die Analphabetenrate sei von elf Prozent in den achtziger Jahren auf inzwischen 32 Prozent gestiegen. Viele Bauern hätten aus wirtschaftlicher Not ihr Land verkauft, so dass eine neue Agrarreform nötig sei. (APA/dpa)

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    Sandinisten feiern in Managua den Sieg über die Regierungstruppen (Archivfoto vom 19.07.1979). Nach der Ermordung des Oppositionsführers Chamorro 1978 durch Anhänger des Diktators Somoza brach in dem mittelamerikanischen Land ein Bürgerkrieg aus, in dessen Verlauf die Sandinistische Nationale Befreiungsfront (FSLN) die Oberhand gewann. Am 17. Juli 1979 musste Somoza das Land verlassen. Tausende Menschen säumten vor 25 Jahren am 19. Juli 1979 die Straßen und feierten die Guerrilleros, die auf Panzern und Lastwagen in die Hauptstadt Managua einrückten.

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