Frauen droht eine Aids-Katastrophe

16. Juli 2004, 23:19
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Konzepte Enthaltsamkeit, Treue und Kondome reichen laut UNO-Bericht nicht aus

Bangkok - Wenn nicht sofort umfassend geholfen wird, droht Frauen eine verheerende Aids-Katastrophe. Ihr Anteil an den weltweit infizierten Menschen ist von 41 Prozent im Jahr 1997 auf 48 Prozent Ende 2003 gestiegen. Das geht aus einem am Mittwoch auf der Welt-Aids-Konferenz in Bangkok veröffentlichten UNO-Bericht hervor.

Damit könnten Frauen künftig die Hauptlast der unheilbaren Krankheit tragen. "Die Immunschwäche wird zunehmend feminisiert", sagte Thoraya Obaid, Chefin des UNO-Bevölkerungsfonds (United Nations Population Fund) in Bangkok. Ein Ende dieses Trends sei nicht abzusehen.

In der Gruppe der 15 bis 24 Jahre alten Infizierten machen Frauen 60 Prozent aus. Besonders schlimm ist die Situation im Süden Afrikas: Dort leben 77 Prozent aller HIV-positiven Frauen. Die einzige wirkliche Hilfe liege in der schnellen und nachhaltigen Stärkung der Rechte der Frauen, sagte Obaid. "Bildung ist ein Muss für Mädchen", ergänzte sie und bekräftigte damit eine zentrale Forderung von UNO-Generalsekretär Kofi Annan.

Abhängigkeiten

Die vielfach propagierten drei Konzepte Enthaltsamkeit, Treue und Kondome allein reichten jedenfalls nicht aus, ergänzte Obaid. "Enthaltsamkeit ist keine Option, wenn die Frau vom Mann abhängig ist. Treue nutzt nichts, wenn sich der Mann nicht auch daran hält. Und Kondome bleiben wirkungslos, wenn die Frauen ihren Gebrauch nicht erzwingen können."

"Überall auf der Welt haben junge Frauen außerdem vielfach Sex mit älteren Männern, die mehr sexuelle Kontakte hinter sich haben und damit ein wesentlich höheres Infektionsrisiko tragen", erläuterte die Expertin.

Doppelt so leicht infiziert

Frauen werden bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr etwa doppelt so leicht infiziert wie Männer. Sie sind besonders in Afrika und Asien vielfach wirtschaftlich von ihren Ehemännern abhängig und können sich gegen sie daher oft nicht wehren.

Je länger mit der Hilfe gewartet werde, umso höher werde der Preis, den Mädchen und Frauen dafür zahlen müssen, warnt die UNO. Unterdessen drohe bereits eine neue Epidemie in Asien, wo zurzeit bereits 7,4 der weltweit insgesamt etwa 38 Millionen Aidsinfizierten leben.

Die Zahlen des in Bangkok vorgestellten Berichtes "Confronting the Crisis" weisen für Westeuropa einen völlig anderen Trend aus: Hier sind 150.000 Frauen und 450.000 Männer HIV-infiziert. (dpa, DER STANDARD Printausgabe 15.7.2004)

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    Bildung ist ein Muss für die Zukunft der Mädchen und die einzige wirkliche Hilfe liege in der schnellen und nachhaltigen Stärkung der Rechte der Frauen

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