Hämmerle schneidet Faden ab

28. Juli 2004, 11:16
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Holding setzt Kapital herab - Familie konzentriert sich auf Immobilien

Wien - Die fast 70 Mitglieder der Vorarlberger Familie Hämmerle, die ihre Textilwerke vor vier Jahren verkauft haben und jetzt an der Dornbirner F.M. Hämmerle Holding AG beteiligt sind, haben Ende Juni einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit gezogen.

In der Hauptversammlung der Holding, unter deren Dach Immobilien sowie eine Spinnerei in Feldkirch und eine Stofffabrik in Südafrika zusammengefasst sind, wurde ein Kapitalschnitt durchgeführt, das Grundkapital wurde von 18,2 auf fünf Mio. Euro herabgesetzt. "Mit diesem Schritt haben wir frühere Verlustvorträge beseitigt, die Aktionäre haben damit die Vergangenheit aufgearbeitet", so der Vorstandschef der Holding, Bernhard Winsauer. Die Holding hat im Vorjahr 1,7 Mio. Euro Gewinn gemacht.

Faden aufgenommen

Im Jahr 2000 hatte der Textildynastie das letzte Stündlein geschlagen, nach fast 170 Jahren Firmengeschichte verkauften die Hämmerles ihre arg defizitären Textilwerke an den Sanierer Josef Hahnl. Heute schreiben die Textilwerke bei einem Umsatz von rund 35 Mio. Euro eine schwarze Null.

Die Hämmerles selbst behielten Immobilien und die beiden selbstständigen Betriebe. Die Feldkircher Spinner erzeugen mit 110 Mitarbeitern synthetische Garne, erwirtschaften einen Umsatz von 14 Mio. Euro (EGT: 300.000 ¤). Die 60-Prozent-Tochter in Südafrika steuert mit ihren Stoffen 20 Mio. ¤ Umsatz bei.

Das Hauptaugenmerk der Holdingeigner liegt aber auf der Immobilienentwicklung. Vermögenswert der ehemaligen Betriebsgrundstücke und Gebäude von zusammen 60.000 Quadratmetern: rund 70 Mio. Euro. Die Mieteinnahmen liegen bei 3,5 Mio. Euro. Zugekauft wird nicht, "wir entwickeln nur", so der Holdingchef.

So kommt es, dass dort, wo früher Spinner und Weber am Werk waren, heute ausgestopfte Tiere und alte Autos zu finden sind. Aus zwei Dornbirner Fabriken haben die Hämmerles Museen gemacht: das naturkundliche "Inatura" und das "größte Rolls-Royce-Museum der Welt". (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 15.07.2004)

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