Verschnaufpause für Alitalia: Brüssel genehmigt Staatshilfe

28. Juli 2004, 11:30
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Die EU-Kommission hat der krisengeschüttelten Alitalia mit Auflagen grünes Licht für den vom italienischen Staat garantierten Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro erteilt

Mailand - Die italienische Regierung musste der EU versprechen, künftig nicht mehr zur Rettung der Fluggesellschaft einzugreifen. Seit 1997 hat der Staat bereits dreimal mit massiven Finanzspritzen der Alitalia unter die Arme gegriffen. Trotzdem verliert die Fluggesellschaft täglich rund eine Mio. Euro. Seit Jahresbeginn hat die Gesellschaft 350 Mio. Euro verheizt.

Die Privatisierung und Sanierung der italienischen Fluggesellschaft ist auch ausschlaggebend für die beabsichtigte Hochzeit mit Air-France und KLM. Diese haben Alitalia zu Jahresbeginn ein klares Ultimatum gestellt: Entweder die Fluggesellschaft bringt ihre Konten in Ordnung und baut die staatliche Beteiligung ab, oder aber die beiden Alliierten suchen sich eine neue Braut.

Staat bürgt

Der Staat bürgt für den von einem Bankenkonsortium unter Führung der Mediobanca gewährten 400 Millionen Euro Kredit. Angeblich nehmen auch zwei ausländische Banken, die Deutsche Bank und die spanische Banca Bilbao an dem Konsortium teil. Der Kredit darf nicht für Investitionen oder die Erweiterung des Geschäftes genutzt werden.

Die Laufzeit des Überbrückungsdarlehens kann von sechs Monaten auf ein Jahr verlängert sein, die Zinsen sollen mit 4,35 Prozent auf Marktniveau liegen. Alle Augen sind nun auf den erst vor kurzem designierten Alitalia-CEO Giancarlo Cimoli gerichtet. Er wird am 28. Juli den neuen Sanierungsplan präsentieren.

Offensichtlich kann er dabei nicht auf Personalkürzungen verzichten. Der von Mailänder Analysten als notwendig gehaltene Beschäftigungsabbau von 5000 Alitalia-Angestellten wird aber schwer durchzudrücken sein. Zehn verschiedene Gewerkschaftsverbände verteidigen die Mitarbeiter von Boden- und Flugpersonal und drohen mit wilden Streiks, sollte es zu Stellenstreichungen kommen. (Thesy Kness-Bastaroli/DER STANDARD Printausgabe, 15.07.2004)

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