Programmierter Lehrlingsstau auf österreichischem Arbeitsmarkt

28. Juli 2004, 13:03
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In den nächsten vier Jahren drängen bis zu 8000 Jugendliche zusätzlich auf den Arbeitsmarkt - Schon jetzt hinkt das Angebot an Lehrstellen hinten nach

Wien - Drei von zehn Jugendliche in Österreich, genau genommen 37,4 Prozent, entscheiden sich für einen Lehrberuf. Für immer mehr wird das Finden eines Lehrplatzes aber zu einem Spießrutenlauf, weil Angebot und Nachfrage auseinander klaffen.

Entspannung sei nicht in Sicht, sagte der Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung, der Vorarlberger Unternehmer Egon Blum. "In den nächsten vier Jahren drängen bis zu 8000 15-Jährige zusätzlich auf den Arbeitsmarkt."

30.673 Jugendlichen ohne Job

Zwar hat sich im Juni die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Jahresvergleich um 5,4 Prozent auf 30.673 verringert; nach Angaben des Arbeitsmarktservice (AMS) hat sich gleichzeitig aber die Lehrstellenlücke auf 1188 (Juni 2003: 1013) vergrößert. 3460 Lehrstellensuchenden standen 2272 als offen gemeldete Lehrstellen gegenüber.

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein strich in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und Blum heraus, dass Österreich mit einer Jugendarbeitslosenquote von 6,9 Prozent nach wie vor deutlich unter dem EU-Durchschnitt (EU 25: 18,2 Prozent; EU 15: 16,0 Prozent) liege. Darüber hinaus gelte noch immer, dass "jeder Jugendliche zumindest einen Lehrgangsplatz offeriert bekommt".

Das AMS sei beauftragt, ab Herbst die Zahl der Lehrgangsplätze auf 7000 aufzustocken. Zum Vergleich: Für die Schulabgänger des Vorjahres standen rund 6300 Lehrgangsplätze zur Verfügung.

Für Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf und in Regionen mit einer geringen Zahl von Ausbildungsbetrieben versprach Bartenstein ab Herbst neue überbetriebliche Ausbildungsplätze.

Praktikerberufe

Um Jugendlichen, die bisher bestenfalls einen Job als Hilfskraft gefunden haben, eine Qualifikation zu geben, werden Praktikerberufe geschaffen. Der theoretische Teil wird dabei klein gehalten, der Praxisteil nimmt entsprechend mehr Raum ein.

Die Arbeiterkammer unterstützt die neuen Berufsbilder. Im Sinne einer Lastenteilung sollte aber ein Fonds eingerichtet werden, gespeist von Beiträgen nicht selbst ausbildender Betriebe.

Die Situation am Lehrstellenmarkt sei kritischer, als die offiziellen Zahlen vermuten ließen, heißt es. So hätten sich Ende Juni mehr als 4000 Jugendliche in kurzfristigen Schulungen (Coaching, Berufsorientierung) befunden. Auch diese würden in der Folge eine Lehrstelle suchen. (Günther Strobl/DER STANDARD Printausgabe, 15.07.2004)

  • Diese Jugendlichen haben gut lachen, sie haben eine Lehrstelle bei der Voest. Am Mittwoch waren sie bei Bundespräsident Heinz Fischer, der sich als Fotolehrling versuchte.
    foto: der standard

    Diese Jugendlichen haben gut lachen, sie haben eine Lehrstelle bei der Voest. Am Mittwoch waren sie bei Bundespräsident Heinz Fischer, der sich als Fotolehrling versuchte.

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