Gelddrucker unter Gesundheitsdruck

28. Juli 2004, 11:16
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Rund-um-die-Uhr-Betrieb führt zu allergischen Reaktionen bei Banknotendrucker - Produktion musste eingestellt werden

Wien - Der Singapur-Auftrag der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruckerei (OeBS) hat nicht nur die Finanzen der Notenbanktochter durcheinander gebracht. Vielmehr hat der 20-Millionen-Euro-Kontrakt vorübergehend auch die Gesundheit zahlreicher Mitarbeiter in der Druckerei angegriffen.

Fast ein Fiasko

Wie berichtet arbeitet das 1998 aus der OeNB ausgegliederte Unternehmen an seinem ersten Großauftrag, an einer halben Milliarde Singapur-Dollars. Qualitäts-, Kalkulations- und Abwicklungsfehler haben den Deal fast zum Fiasko werden lassen. Ein Sonderbeauftragter ist eingesetzt, eine Sonderprüfung läuft, Kündigungen stehen an.

Wie sich nun herausstellt, strapaziert Singapur nicht nur die Nerven der Involvierten, die unter großem Zeitdruck stehen. Immer öfter wurden im Frühling Gelddrucker von Haut- und Augenreizungen geplagt, um den 25. April nahmen die Symptome bei rund 20 Mitarbeitern so zu, dass Betriebsärztin, Mediziner des Wiener AKH, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt und Arbeitsinspektorat eingeschaltet wurden.

Schließlich stoppte man auch die Maschinen. Gerüchten zufolge aber erst, als OeBS-Aufsichtsratschef, Notenbanker Wolfgang Duchatczek, das so verfügte.

"Alles nicht Besorgnis erregend", beteuert nun OeBS- Betriebsrat Robert Kocmich. Sonderbeauftragter Kurt Meyer: "Die Druckerei hat ernsthaft reagiert. Aber die Vorfälle waren harmlos." Ihre Ursache ist bis heute ungeklärt.

Vermutet wird, dass der Rund-um-die-Uhr-Betrieb zur "erhöhten Konzentration von Reinigungsmitteln" und "Nachlässigkeiten der Mitarbeiter" geführt hätte. Kocmich: "Unter anderem lüften wir seither auch mehr."

Mitarbeiterabbau

Ein Rezept, das für die ökonomische Genesung der Druckerei nicht genügen wird. Der Mitarbeiterabbau hat schon begonnen, 2005 geht er weiter. Ab da wird die OeBS mit einer Schicht (entspricht rund 60 Mitarbeitern) weniger als bisher auskommen. (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 15.07.2004)

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    Das Euro-Drucken ist für die OeBS Routine. Doch der Singapur-Auftrag hat nicht allen Mitarbeitern gut getan.

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