Pressestimmen über die seltsamen Weihnachtsbräuche in St. Pölten

14. Juli 2004, 20:28
posten

Ein Querschnitt durch erste Reaktionen der deutschsprachigen Presse

"Sexskandal" . . . "Küssende Priester" . . . "Bestialische Pädophilenfotos erschüttern Kirche" - von dieser Art sind die Schlagzeilen, unter denen internationale Medien - von CNN bis KHLN Honolulu, vom britischen Telegraph bis zur Hindustan Times - dieser Tage über die seltsamen Weihnachtsbräuche in der Krenn-Diözese St. Pölten berichten. Wir bleiben in der Nähe und bringen einen Querschnitt durch erste Reaktionen der deutschsprachigen Presse.

Die Tageszeitung

Die linke Tageszeitung beschäftigte sich mit den Auswahlkriterien im Priesterseminar: "Bischof Kurt Krenn, der innerhalb der Bischofskonferenz immer schon kuriose und besonders dogmatische Positionen vertreten hat, steht unter Zugzwang. Er ist nicht nur formal für das Priesterseminar verantwortlich, er hat dessen Politik mitbestimmt. 2001 entließ er den langjährigen Regens Franz Schrittwieser und holte Ulrich Küchl und Wolfgang Rothe als neue Leiter aus Deutschland. Diese setzten für ihr Institut die sonst in Österreich geltenden Aufnahmekriterien außer Kraft. Schrittwieser kritisierte: ,Es wurden größtenteils Kandidaten aufgenommen, die in anderen Diözesen für die Priesterweihe nicht zugelassen wurden', darunter junge Männer aus Deutschland und Polen, denen offensichtlich die ,menschliche Reife fehlte', und solche mit psychischen Problemen. Priesterseminare, so die Ansicht von Psychologen, zögen außerdem oft Menschen mit unterentwickelter sexueller Identität an."

Frankfurter Allgemeine

In der konservativen Tageszeitung werden die Einschätzungen des Bischofs berichtet - und übersetzt: "Krenn bestätigte gegenüber dem Österreichischen Rundfunk, ein Foto gesehen zu haben, auf dem der Regens des Priesterseminars, der inzwischen zurückgetreten ist, einem bekleideten Mann "ans Gemächt" (zwischen die Beine) greift. Noch vor drei Wochen hatten Küchl und der mittlerweile ebenfalls aus seinem Amt geschiedene Subregens Wolfgang Rothe derlei entschieden bestritten. Krenn sagte zu einer anderen Aufnahme, die Rothe "in einem innigen Kuss mit einem Mann zeigt": Was er gesehen habe, seien "in keiner Wesie Dinge, die mit Homosexualität zu tun haben."

Frankfurter Rundschau berichtet über die möglichen Konsequenzen

Das liberale Blatt berichtet über die möglichen Konsequenzen: "Krenn kommt nach Ansicht vieler katholischer Kirchenvertreter ohnehin ein gerüttelt Maß der Schuld für die Zustände am Seminar zu. (...) Die österreichische Bischofskonferenz hat unterstrichen, dass die Vorgänge im Seminar intolerabel sind und rückhaltlos aufzuklären seien. Die österreichischen Medien weisen daraufhin, dass der Vatikan wegen der sexuellen Verfehlungen von Priestern ohnehin unter Druck steht. Krenn solle nach der Entsendung einer päpstlichen Untersuchungskommission spätestens im Herbst von der Diözesanspitze in der niederösterreichischen Landeshauptstadt abgelöst werden - zumal er offenbar alkoholkrank sei."

Berliner Zeitung

Die Tageszeitung über den Umgang mit den Vorwürfen: "Man suche ,reife Persönlichkeiten, die mit dem Zölibat umgehen können', sagt der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Kandidaten mithin, die fähig seien, ihre erotischen Energien in ihrer Arbeit zu sublimieren. In St. Pölten kam es anders. Und noch schlimmer. Auf verkniffen-katholische Art hat sich Bischof Krenn zu den sexuellen Beziehungen zwischen erwachsenen Männern geäußert. Aber dazu, dass Polizeifahnder auf Computern im Priesterseminar auch Tausende von kinderpornografischen Fotos gefunden haben sollen, hat der Bischof nicht viel gesagt. Das waren für ihn wahrscheinlich auch nur Bubendummheiten. Daran muss man nur fest glauben." (DER STANDARD Printausgabe 15.7.2004)

Share if you care.