Länder ködern für Jagd auf Wale

23. Juli 2004, 19:09
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Japan braucht Stimmen - Neuzugang Tuvalu könnte eine liefern

Hamburg/Sorrent - Der pazifische Inselstaat Tuvalu mit seinen 11.000 Einwohnern ist seit kurzem Mitglied der Internationalen Walfangkommission (IWC). Und damit kann die Walfangnation Japan voraussichtlich auf eine wichtige weitere Stimme für den Walfang zählen. "Wir bemerken, dass die Japaner ganz eifrig dabei sind, Länder auf ihre Seite zu ziehen", sagt der Leiter der deutschen IWC-Delegation, Peter Bradhering, auch mit Blick auf Tuvalu. "Der Jahresbeitrag wird vermutlich von Japan bezahlt werden." Das Neumitglied Mauretanien werde wahrscheinlich ebenfalls für Japan stimmen.

"Wir sind auch nicht untätig. Nur wir zahlen nichts, wir machen Lobbyarbeit", bemerkt Bradhering. Ungarn ist kürzlich der IWC beigetreten, als eine mögliche Stimme für die Walschützer. Belgien werde wahrscheinlich folgen. So wächst die IWC stetig auf bisher mehr als 50 Mitglieder, und alles bleibt etwa im Gleichgewicht.

Seit 1986 untersagt ein Moratorium die Waljagd zu kommerziellen Zwecken. In der Jagdsaison 2004 hat Japan laut der Umweltorganisation WWF dennoch Hunderte Zwergwale zum Abschuss freigegeben, Norwegen 670 dieser Tiere und Island 25.

"Wir sind eindeutig gegen den Walfang jeglicher Art. Aber wenn Walfang betreiben wird, dann unter ganz kontrollierten Bedingungen", betont Bradhering. Weitaus mehr Wale sind jedoch durch Lärm und Meeresverschmutzung bedroht - sowie als "Beifang" durch Fischereinetze, in denen je nach Schätzung 100.000 bis über 300.000 vor allem kleinere Wale verenden. Zumindest im Kampf gegen diese Gefahren hoffen die deutsche Delegation und der WWF in Sorrent auf Fortschritte. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 7. 2004)

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