Politologe Plasser droht Institutsverlust

23. Juli 2004, 11:30
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60 Ludwig-Boltzmann-Institute sollen bis 2005 geschlossen werden

Wien - Fritz Plasser, Leiter des Instituts für angewandte Politikwissenschaft, hat sich schon damit abgefunden. Sein Institut wird, zumindest als Teil der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, ab 2005 nicht mehr existieren: "Mein Institut besteht nur aus einem hauptamtlichen Mitarbeiter. Die geforderten Größenordnungen sind für kleine, spezialisierte Institute nicht erreichbar."

Hintergrund: Die Ludwig Boltzmann-Gesellschaft, eine der renommiertesten Forschungsplattformen in Österreich, ordnet sich neu. Ziel der Reform sei, so die LBG-Geschäftsführerin Claudia Lingner, dass "schlagkräftige, größere Institute entstehen" - bestehend aus mindestens zehn Mitarbeitern. Derzeit gibt es 135 Boltzmann-Institute, rund 70 davon werden im Zuge der Reform evaluiert. 60 sollen bis Ende 2005 geschlossen werden. Eine "problematische Entwicklung", wie Plasser anfügt. "Kleine Forschungsplattformen wie meine werden in Zukunft ganz auf sich alleine gestellt sein." Ähnlich sieht das auch die Wissenschaftssprecherin der Wiener Grünen, Claudia Sommer-Smolik, die vor allem die Vorgangsweise der Gesellschaft kritisiert: "Die Institute kriegen Briefe, in denen sie erfahren, dass sie evaluiert oder geschlossen werden. Es wird sehr undemokratisch vorgegangen." Auch im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften sei die Lage kritisch: "Gerade dort gibt es ja keine Rieseninstitute die die Anforderungen erfüllen könnten." Zwar hätten sich einige Institute zusammengeschlossen, es sei aber zu bezweifeln, ob "die wirklich durchkommen".

Angelika Mayrhofer-Battlogg, Pressesprecherin der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft, weist darauf hin, dass der humanmedizinische Bereich der Schwerpunkt gewesen sei und es "natürlich auch bleiben werde". Es sei klar, dass solche Reformphasen "sehr sensibel" wären, man könne also nicht verhindern, dass "die eine oder andere Wunde folgen wird". Man soll aber die erste Begutachtung der Jury Ende Juli abwarten. (Kaspar Fink/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 7. 2004)

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