Das Schielen nach Egon Schiele

20. Juli 2004, 12:16
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Rekordergebnisse halten den Kunstmarkt in Bewegung, von London aus treten Schiele-Bilder ihre Reise in die ganze Welt an

Immer öfter finden sich im Auktionsangebot Arbeiten von Egon Schiele. Rekordergebnisse halten den Markt in Bewegung. Von London aus treten die Bilder ihre Reise in die ganze Welt an. Von Österreich aus erst nach eingehender Prüfung durch das Bundesdenkmalamt.


Wien< -="" ein="" viel="" versprechender="" auftakt:="" seit="" anfang="" 2004="" wurden="" 37="" arbeiten="" von="" egon="" schiele="" versteigert,="" 2003="" waren="" es="" 27,="" 2002="" überhaupt="" nur="" 19.="" die="" menge="" der="" auf="" dem="" markt="" verkäuflichen="" werke="" des="" österreichers="" überrascht.="" allerdings="" nur="" auf="" den="" ersten="" blick,="" denn="" über="" einen="" längeren="" zeitraum="" zeigt="" sich="" ein="" anderes="" bild.="" die="" statistik="" der="" künstlerdatenbank="" artprice.com="" weist="" mit="" 61="" werken="" das="" jahr="" 1997="" als="" das="" bisher="" stärkste="" aus,="" gefolgt="" von="" 1998="" mit="" 50.="" mit="" ein="" grund="" für="" diese="" im="" vergleich="" zu="" anderen="" heimischen="" künstlern="" momentane="" omnipräsenz="" mag="" die="" gute="" preisentwicklung="" sein.="" hätte="" man="" 1997="" in="" eine="" vermeintliche="" schiele-aktie="" 100="" euro="" investiert,="" wäre="" ihr="" wert="" ende="" 2003="" bei="" 234="" euro="">

Rekordzuschläge wie jener für die Krumauer Landschaft (1916), im Juni 2003 von Sotheby's in London erteilt, sorgen für Marktbewegungen. 18,67 Millionen Euro bezahlte ein anonymer Bieter und somit den bisher höchsten Preis für eine Arbeit von Schiele. Die Experten von Sotheby's übertrafen damit den hauseigenen Rekord vom Februar 2001: Das Porträt des Malers Anton Peschka von 1909 wechselte damals für 11,36 Millionen Euro den Besitzer und brachte dem Einbringer den satten Gewinn von mehr als acht Millionen, denn das Bild war schon 1987 von Sotheby's versteigert worden - für "nur" 2,59 Millionen Euro.

Vor wenigen Wochen, am 21. Juni, offerierten die Experten in der King Street im Rahmen der "Impressionist & Modern Art Sales" eine Sammlung von 15 Aquarellen, von denen sich ein amerikanischer Sammler trennte. Nur zwei Arbeiten blieben unverkauft, und das Liebespaar von 1913 listete sich mit 2,81 Millionen Euro auf Platz sieben der zehn höchsten Auktionsergebnisse weltweit.

Wie das Schiele-Ranking zeigt, zählt London für den Erwerb einer Schiele-Arbeit zum teuersten Pflaster. Ein einziges dieser Ergebnisse wurde in Wien erzielt, 1998, als Rudolf Leopold das Ölbild Mädchen von 1917 für umgerechnet 2,67 Millionen Euro erwarb. Laut dem damaligen Ausfuhrgesetz hätte das Bundesdenkmalamt keine Ausfuhr bewilligt, erst nach einem fehlgeschlagenen Ersatzkaufverfahren. Die Novellierung des Gesetzes erfolgte 1999.

Der am 25. Mai 2004 im Dorotheum mit 540.000 Euro erfolgreich versteigerte Bub mit grünen Strümpfen spazierte dieserart Richtung USA. Aber nicht jedes Schiele-Blatt darf - trotz der weltweit umfangreichsten Sammlung im Museum Leopold - Österreich verlassen. "Ein maßgebliches Kriterium ist die Qualität, ob eine Arbeit aus einer bestimmten Periode oder Werkgruppe oder in einer speziellen Technik hier repräsentiert ist oder nicht", merkt Denkmalamtspräsident Georg Rizzi an.

Gerade bei Egon Schiele stößt man in Privatbesitz immer wieder "auf erstaunliche Funde, wirkliche Überraschungen", betont Rizzi, "die dann eingehendst untersucht und beurteilt werden müssen". Den Persilschein für die Erteilung einer Ausfuhrgenehmigung gibt es nicht, aber erste, ganz leise Anzeichen einer nicht ganz so restriktiven Vorgehensweise.

Für das im April im Kinsky versteigerte Selbstbildnis wurde ein flexibleres Modell ins Auge gefasst. Das öffentliche Interesse ist eine Frage der Definition, und Rizzi gesteht zu, "dass es abzuwägen gilt, ob ein Blatt besser in österreichischen Privaträumen aufgehoben ist oder in einem prominenten Museum für Österreich wirbt". Demnach könnte die Ausfuhr für das 675.000 Euro teure Selbstbildnis demnächst erteilt werden, sofern der Käufer aus Übersee einen Leihvertrag mit einem US-Museum vorlegt. Dabei soll es sich um eine der größten und international anerkanntesten musealen Institutionen handeln, und es wäre dann deren erstes Schiele-Blatt im Sammlungsbestand. Die Telefon-Warteschleife des Bundesdenkmalamtes ist insofern das Gebot der Stunde: "Ihr Anliegen ist uns wichtig. Wir bitten noch um etwas Geduld."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. 7. 2004)

Von
Olga Kronsteiner

  • "Liegende Frau in gelbem Kleid" von Egon Schiele (1914): Für etwas mehr als zwei Millionen Euro wechselte dieses Blatt im Juni 2004 bei Sotheby's in London den Besitzer.
    foto: sotheby's

    "Liegende Frau in gelbem Kleid" von Egon Schiele (1914): Für etwas mehr als zwei Millionen Euro wechselte dieses Blatt im Juni 2004 bei Sotheby's in London den Besitzer.

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