Kopf des Tages: Gamal Mubarak

16. Juli 2004, 20:09
posten

Präsidentensohn zieht die Fäden im Hintergrund

"Ägypten ist nicht vergleichbar mit Syrien. Ägypten ist eine Demokratie. Hier können die Leute den künftigen Präsidenten zwischen den beiden Söhnen Alaa und Gamal Mubarak wählen", lautet einer der politischen Witze am Nil. Der jüngste Spitalsaufenthalt von Präsident Hosni Mubarak in Deutschland und die umfassende Regierungsumbildung sind derzeit der Hintergrund, vor dem Gerüchte sprießen.

Dabei fällt immer wieder der Name von Gamal, dem jüngeren der beiden Präsidentensöhne. Am Mittwoch hat der Präsident das neue Kabinett vereidigt, das "Gamals Generation" stärkt. Dabei ist die Handschrift des 76-jährigen Vaters, dessen Amtszeit 2005 endet, immer noch deutlich zu erkennen.

Der junge Mubarak ist ein 41-jähriger Investmentbanker, der an der Amerikanischen Universität in Kairo studiert und dann mehrere Jahre im Ausland gearbeitet hat. Der smarte Jungpolitiker ist populär und gut in der ägyptischen Businesselite integriert. Dagegen hat er keine Verankerung im Militär, das seit der Revolution von 1952 alle Präsidenten bestimmt hat. Gamal hat enge Verbindungen zu den USA, und seine eigene "Stiftung für künftige Generationen" organisiert nicht nur Computer-und Weiterbildungskurse, sondern rekrutiert vor allem junge Parteimitglieder. Im Jahr 2000 wurde er in das 25-köpfige Generalsekretariat der regierenden Nationaldemokratischen Partei (NDP) gewählt, und seit Herbst 2002 leitet er dort das Politische Sekretariat, von dem viele Beobachter sagen, es sei das wichtigste Amt in der NDP.

Diese Position bietet ihm die ideale Möglichkeit, im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Er hat mächtigen Einfluss, ohne in der Verantwortung eines öffentlichen Amtes stehen zu müssen. Die Regierungsbildung ist ein solches Beispiel. In Kairo ist die Ministerriege nur ausführendes Organ der Partei des Präsidenten, die den politischen Kurs in allen wichtigen Fragen bestimmt. Im jüngsten Kabinett zählt mindestens die Hälfte der 14 neuen Gesichter zu Gamals engerem Kreis. Alle sind sie Technokraten aus Wirtschaft und Universität.

Gamal redet zwar in allen seinen öffentlichen Auftritten von wirtschaftlichen und politischen Reformen. Alles, was er aber bis jetzt getan hat, deutet darauf hin, dass die NDP diesen Prozess allein zu steuern gedenkt; keine Rede von einschneidenden Veränderungen, die aus dem autoritären Regime mit demokratischer Fassade eine wirkliche Demokratie machen würden.

Dass Gamal seinen Vater einmal auf dem Präsidentenstuhl beerben soll, hat Hosni Mubarak immer wieder dementiert. Dennoch reißen die Spekulationen nicht ab, wobei die Ägypter wissen wollen, dass es vor allem Suzanne Mubarak sei, die ihren Sohn gern im höchsten Amt sähe. (Astrid Frefel/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.