Weltbank sagte Irak Milliardenhilfe zu

15. Juli 2004, 20:26
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Infrastruktur soll wieder aufgebaut werden

Wien - "Dass die Weltbank im Irak tätig werden kann, ist an sich schon ein Erfolg", erklärte Christiaan Poortman, Vizepräsident der Weltbank und zuständig für den Mittleren Osten und Nordafrika, am Mittwoch in Wien dem STANDARD.

Schließlich sei der Weltbank-Report über die Not im Irak Grundlage für die große Geberkonferenz im vergangenen Oktober in Madrid gewesen, wo ein Treuhandfonds in der Höhe von einer Milliarde US-Dollar für Bagdad beschlossen wurde. Davon stünden der Weltbank 400.000 Dollar - "eher peanuts" - für ihre Projekte zur Verfügung, sagt Poortman. Der Rest werde direkt von der UNO verwaltet.

Diese Summe soll die Zeit überbrücken, bis die Weltbank auf eigene Ressourcen zurückgreifen könne, die wegen "juristischer Probleme" mit der neuen Regierung in Bagdad noch vier bis fünf Monate blockiert seien.

Für die nächsten fünf Jahre habe die Weltbank dem Irak dann zwischen drei und fünf Milliarden Dollar zugesagt, was jedoch von der künftigen Entwicklung im Land abhänge. Realistisch seien künftig rund 600 Millionen Dollar pro Jahr, die die Weltbank für den Irak bereitstellen könne, sagt Poortland.

"Natürlich ist das nur ein kleiner Teil einer Summe, die der Irak benötigt", meint der Vizepräsident und schätzt, das das Land insgesamt runde 55 Milliarden Dollar in den nächsten drei Jahren als Wiederaufbauhilfe brauche, wobei die Ölindustrie gesondert "vom privaten Sektor" wieder aufgebaut werde.

Ob die Weltbank die Privatisierung der Ölindustrie eingebunden werde, hänge davon ab, "ob die Regierung in Bagdad das will", betont Poortman. Bisher sei die Weltbank in Angelegenheiten der Ölindustrie nicht eingebunden gewesen, "das untersteht direkt den Amerikanern".

Rund 400 Iraker würden derzeit zu Staatsdienern ausgebildet, meint Poortman und hält dies derzeit für einen der größten Erfolge der Weltbank im chaotischen Land. Das Ausbildungssystem wieder aufzubauen gilt ihm als eine der dringlichsten Aufgaben, auch die irakischen Behörden würden dies so sehen.

Doch zuvor müsse die Infrastruktur im Land erneuert, in den Städten die Wasserversorgung sichergestellt werden. Die Weltbank könne die Aufbauarbeiten koordinieren und somit effizienter machen. Streng nach marktwirtschaftlichen Grundsätzen vergeben, werden nicht nur irakische, sondern auch "beispielsweise amerikanische Firmen" bei zu vergebenden Aufträgen zum Zug kommen, erklärt Vizepräsident Poortman. (Gerhard Plott/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2004)

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