Das Mysterium des Zungenkusses

17. März 2006, 20:44
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In "Kreuz & Quer" erwies sich Krenn als Fels

In gewissen Kreisen würde man von ihm voll Respekt als "Steher" sprechen, in den seinen hat er sich Dienstag in der ORF-Sendung "Kreuz & Quer" wieder einmal als jener Fels erwiesen, auf dem Hardcore-Frömmler ihre Kirche erbaut sehen wollen. An der Eleganz, mit der Kurt Krenn angesichts der Vorfälle in seinem Priesterseminar das Bibelwort "Deine Rede sei ja, ja, nein, nein, was darüber ist, ist von Übel" in das Heilswissen "Sagst du ja, bleibst du da, sagst du nein, gehst du heim" zu wenden wusste, machte klar, dass zwei Psychotherapeuten, ein Publizist und ein Feuerwehrkaplan 2000 Jahren Routine im Ablenken und Vertuschen von Verbrechen und Skandalen wenig entgegenzusetzen haben.

Der Versuch, Krenn plötzlich eine Karriere vom Ministranten zum Tschecheranten, dazwischen Bischof, anzumessen, kostete den Oberhirten aus dem Weinland NÖ nicht einmal einen Schnaufer. Andere Vorwürfe kaum mehr. Er bot sich dar als Opferlamm, bereit, sich von Pforten der Medienhölle verschlingen zu lassen, nicht ohne sich darauf zu berufen, man hätte ihm vor der Sendung fix zugesagt: Kein Wort über St. Pölten.

Als daraus nichts wurde, rief er nach Gerechtigkeit. Das mit den Kinderpornos sei nicht erwiesen, den Handgriff an den Hosenschlitz tat er mit einer Handbewegung ab, und für den Rest sei er zwar verantwortlich, aber nicht sehr: "Ich habe nichts gewusst."

Sicher wusste er indes, dass es sich bei dem Zungenkuss zweier Seminaristen um einen Weihnachtskuss (© Krenn) gehandelt habe, kaum mehr als die Fortsetzung eines Kokosbusserls mit anderen Mitteln. Das ermunterte die anwesende Therapeutin, nicht nur die Werbetrommel für ihr neues Buch, sondern auch an vermeintliche Wissenslücken des Bischofs zu rühren, indem sie jeglichen Austausch von Körpersäften zum Geschlechtsverkehr erklärte. Was den Vertreter einer Institution, mit Zungen vertraut, seit sie auf deren Gründerväter regneten, wenig erregte.

Mit dem Bekenntnis, sie lebe in einer Ehe und doch zölibatär, hätte die Dame beinahe - zündelnd unterstützt vom Feuerwehrkaplan - die Flammen einer Zölibatsdebatte entfacht. Krenn trat sie ebenso konstruktiv aus wie alle anderen Einwände des Abends. "Das ist nicht die Position der Kirche." So ist es. (tx/DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2004)

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