Konsumentenschützer kritisieren Wildwuchs bei "Grün"-Etikettierungen

25. Juli 2004, 20:30
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Verpackungs-Check von Lebensmitteln: Botschaften halten oft nicht, was sie versprechen

Wien - Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) kritisiert einen Wildwuchs bei den "Grün"-Ettiketierungen von Lebensmitteln. Allein in Österreich seien bei 55 Produkten 69 so genannte Claims, die mit Bildern oder Sprüchen in die Irre führe, gefunden worden, so der VKI am Mittwoch. Für diese Form der Werbung gebe es zudem nur mangelhafte gesetzliche Bestimmungen, wurde moniert.

"Softe" Botschaften

In Österreich findet man laut VKI auf Lebensmittel-Verpackungen vorwiegend "softe" Werbebotschaften, das heißt, sie vermitteln anhand von Bildern oder Aussagen eine schöne, idyllische, bäuerliche Welt, die jedoch mit der Realität oft nichts gemein hat.

Graubereiche

Diese Täuschung des Konsumenten wird gesetzlich nicht hart genug bekämpft, so der VKI: Zwar gebe es durchaus gesetzliche Regelungen für Werbung auf Produktverpackungen, aber der Spielraum für Graubereiche sei groß genug, um Verbraucher in die Irre zu führen, erklärte die Ernährungswissenschafterin Birgit Beck. Sie sah dahingehend einen Handlungsbedarf für umweltbezogene Werbung.

Auf EU-Ebene existieren bisher nur allgemeine Richtlinien für die Kennzeichnung von Lebensmitteln, einheitliche und bindende Regelungen für umweltbezogene Werbung fehlen. In Österreich sind Richtlinien hinsichtlich Werbung auf Produktverpackungen im Lebensmittelgesetz oder in der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung verankert. Bei irreführender Werbung kommt das UWG - das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb - zur Anwendung. "Eindeutige Regelungen, ab wann bestimmte Werbeaussagen irreführend sind, gibt es im UWG aber nicht. Manche Hersteller nutzen diesen Graubereich natürlich zu ihren Gunsten aus", kritisierte die VKI-Juristin Ulrike Docekal.

Realität sieht anders aus

Die Bilanz nach dem Verpackungs-Check: In Österreich ist es vor allem die traditionelle, bäuerliche Landwirtschaft, die durch Worte, Bilder oder Logos vermittelt wird. So wird zum Beispiel suggeriert, dass die Milch von Kühen, die auf grünen Wiesen weiden, stammt - die Realität sieht anders aus, so der VKI: Tatsächlich betrage der Anteil der Milchkühe, die im Anbindestall gehalten werden, laut Grünem Bericht 2002 rund 88 Prozent.

Hersteller stellen sich selbst ein Zeugnis aus

Auch auf Kontrolle im Produktionsprozess oder umweltfreundliche Erzeugung werde oft hingewiesen. Mitunter stellen sich Hersteller sogar selbst ein Zeugnis aus, unabhängige Bestätigungen fehlen jedoch. Der Haken dabei: Nur wenn sich die Erzeuger an die strengen Regeln und Kontrollen der biologischen Produktion halten, dürfen Obst und Gemüse die Bezeichnung "aus kontrolliertem Anbau" tragen, so der VKI. (APA)

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